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Internet-Betrug : Geklaute Identitäten: Facebooks falsche Freunde

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Internetbetrüger kopieren öffentlich einsehbare Profile bei Facebook, um so an das Geld gutgläubiger Nutzer zu kommen. Manchen Tätern geht es aber nicht um das Finanzielle.

Flensburg | Kopierte Filme, Musikdateien und Software sind im Internet nichts Neues – aber kopierte Menschen? „Die gibt es auf Facebook massenweise“, sagt Andre Wolf vom österreichischen Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch. Viele Internetnutzer wenden sich an das von der international tätigen Informations- und Koordinationsstelle betriebene Portal Mimikama und beschweren sich über geklaute Identitäten. „Das Thema ist aktuell und kann sehr teuer werden“, erklärt Wolf. Betrüger würden öffentlich einsehbare Bilder herunterladen und private Informationen – wie zum Beispiel die angegebene Arbeitsstelle oder das Geburtsdatum – kopieren, um so ein zweites, fast identisches Profil anzulegen.

Verhängnisvoll wird es dann, wenn auch die Freundesliste einsehbar ist. „Mit dem geklonten Profil schreiben die Täter die Freunde des Opfers an. Schicken eine neue Freundschaftsanfrage und bitten sie um ihre Telefonnummern“, so der Facebook-Experte. Denn daraus lässt sich Profit schlagen. Neue Bezahldienste wie Paypals Zong, bei denen man über die Handyrechnung einkaufen kann, machen es möglich. Wolf: „Habe ich dem vermeintlichen Freund meine Handynummer gegeben, erhalte ich per SMS einen Code, nach dem mich der Täter fragt.“ Sind die Betrüger in Besitz dieses Codes ist die Transaktion vollzogen und das Konto des Opfers um einige Euro geschrumpft. Mimikama dokumentiert einen Fall, in dem Betrüger so über 1000 Euro von gutgläubigen Internetnutzern erbeuteten.

Das Problem ist auch in Schleswig-Holstein bekannt. „Das ist eine perfide Methode, die uns schon häufig gemeldet wurde. Wir werden regelmäßig über Probleme mit Fake-Accounts bei Facebook informiert“, sagt Henry Krasemann, Jurist beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Er macht darauf aufmerksam, dass die Täter nicht nur Geld im Sinn haben: „Wer ein Facebook-Profil nachbaut, will sich vielleicht auch nur einen schlechten Spaß erlauben. Oft geht es aber auch darum, andere Menschen zu diskreditieren.“ So würden zum Beispiel Lügen verbreitet oder bei in die Brüche gegangenen Beziehungen Nacktbilder im Namen des Opfers veröffentlicht. Krasemann rät deshalb dazu, Passwörter regelmäßig zu ändern, Einstellungen zur Privatsphäre zu überprüfen und alle Bilder sowie persönliche Angaben für die Öffentlichkeit einzuschränken. Opfer können sich an das ULD wenden. "Wir haben einen speziellen E-Mail-Kontakt zu Facebook, über den solche Fälle schneller bearbeitet werden sollen", so Krasemann.

Auch die Polizei hilft Betroffenen. „Kommunikation über Facebook und andere Internetdienste ist grundsätzlich anonym. Man sollte sich deshalb bei vermeintlich bekannten Gesprächspartnern vergewissern, mit wem man es zu tun hat – vor allem wenn es um Codes oder Telefonnummern geht“, sagt Uwe Keller, Pressesprecher beim Landeskriminalamt in Kiel. Sensible Informationen über Pins oder Kreditkartennummern sollten auf keinen Fall über Facebook übermittelt werden.

Als Schutz gegen diese Form von Internetbetrug hat Andre Wolf einen einfachen Ratschlag: „Generell sollte man sich in sozialen Netzwerken wie auch im realen Leben verhalten. Ich würde auf der Straße auch keinem Menschen meine sensiblen Daten geben oder Fremden mein Privatleben offenbaren.“

Links zum Thema:

Aktuelle Warnungen vor Betrug auf Facebook unterwww.mimikama.at oder www.facebook.com/fakepostings.

Das ULD bietet Informationen und Beschwerdemöglichkeiten unter http://bit.ly/1huz41Q

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erstellt am 28.Mai.2014 | 04:00 Uhr

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