zur Navigation springen
Netzwelt

12. Dezember 2017 | 03:35 Uhr

Gefälschte Realität

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neben dem Krieg in der Ostukraine herrscht Medienkrieg. Wie es ist, ohne klare Wahrheit zu leben.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2015 | 00:34 Uhr

„Nichts ist wahr und alles ist möglich“. Diese Phrase passt am besten zum verwickelten Kreislauf der Informationen rund um die Ukraine. Der Satz stammt eigentlich vom britischen Fernsehproduzenten und Autoren Peter Pomerantsev, der jahrelang in Moskau gearbeitet hat und sich gut in Kremls Propaganda auskennt. Seit der Konflikt im Osten der Ukraine ausgebrochen ist, wurden gezielt gefälschte Nachrichten im Netz geboren verbreitet.

Am Anfang war es sogar amüsierend. Die Meldungen in den russischen Medien waren so unglaublich absurd, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie jemand daran glauben kann. Ukrainische Soldaten bekommen für ihren Kampfeinsatz Sklaven von der Regierung. Deutsche Panzer haben ukrainische Grenze überquert. Ukraine schickt Soldaten nach Syrien. Die Erfindungen, die nicht existierten, bis sie in Medien erschienen, haben eine neue Realität aufgebaut. Wenn Millionen diese Nachrichten lesen, ist es schon egal, ob sie falsch sind. Sie existieren.
Was soll man tun, um alle Betrügereien zu bekämpfen? Erstens – entlarven. Seit mehr als einem Jahr nehmen Journalisten und Ehrenamtliche die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine unter die Lupe. Noch heute gibt’s viel zu tun. Es erscheinen praktische Tipps, wie die Echtheit von Fotos oder Videos überprüft werden kann. Zweitens – Gegenpropaganda. Die verwirrt aber noch mehr und vervielfältigt falsche Nachrichten. Egal wofür, für eine Verbesserung des Kampfgeistes oder für eine Desorientierung des Gegners. Beruflich lese und sehe ich Nachrichten täglich. Twitter, Facebook, Webseiten, im Fernsehen. Im zweiten Jahr der Krise bin ich nicht sicher, ob das alles wahr ist. Beruflich muss ich alles überprüfen. Viele machen das aber nicht. Zu beschäftigt, zu faul, zu leichtgläubig. Sie ahnen nicht, dass sie Lügen lesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen