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Nationaltag der Videospiele : Games, Games, Games: Von der Diskette in die Cloud

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Aus der Onlineredaktion

Früher war das Installieren der Spiele für den PC noch etwas komplizierter. Heute kommt das Prinzip des „Click and Buy“ immer mehr zum Einsatz. Über Plattformen bezieht man Spiele, ein physisches Medium wird überflüssig.

Flensburg | Baller-Action, Rollenspiel, Autorennen fahren, Fußball spielen: Heute ist den Computerspielen keine Grenze mehr gesetzt. Millionen Spieler und zunehmend auch Spielerinnen zocken am Computer oder der Konsole. Videospiele sind spannend, nur für Wikipedia nicht. Dort heißt es: „Ein Videospiel definiert sich als Computerprogramm, das einem oder mehreren Benutzern ermöglicht, interaktiv ein durch implementierte Regeln beschriebenes Spiel zu Spielen“. So beschreibt das Lexikon das, was Millionen Gamer auch in Deutschland begeistert und täglich an den Computer oder die Konsole zieht. Warum sollte man das nicht feiern? Ist der 8. Juli seit ein paar Jahren der Tag des Videospiels, so haben auch die Amerikaner den Nationaltag der Videospiele. Der ist heute, am 12. September.

Wer gewinnt? Zwei Kinder spielen mit ihrer Spielekonsole. Die Redaktion von shz.de schwelgt in Erinnerungen.
Wer gewinnt? Zwei Kinder spielen mit ihrer Spielekonsole. Die Redaktion von shz.de schwelgt in Erinnerungen. Foto: Imago
 

Wie aber hat das mit dem Spielen eigentlich angefangen?

Die Geschichte der Videospiele startet eigentlich schon in den 50er Jahren mit ersten Gehversuchen. Ich habe mit meinen 28 Jahren allerdings erst später angefangen, bei den Videospielen mitzumischen. Ersten Erfolg hatte das heute noch bei vielen bekannte „Pong“, eine Art Tennis. Es kam 1972 durch Atari auf den Markt und war zunächst an stationären Spieleautomaten zu finden. Mit der Atari2600-Konsole wurden Spiele wie Space Invaders, Pacman oder E.T. erst zu Klassikern, denn fortan war es auch möglich, am heimischen Fernseher zu spielen.

Mit dem Commodore64 begann in den 80ern dann die Zeit der Computerspiele. Das führte 1983 unter anderem zum Crash bei den Konsolenspielen. Der Heim-PC war technisch einfach weiter, als damals gängige Konsolensysteme wie der Atari2600. Über Disketten oder gewöhnliche Kassetten konnte man Spiele einfach kopieren oder den Speicher des Rechners erweitern. Die Module der Konsolen konnten das nicht in dem Umfang. Dennoch schwappte mit dem NES (Nintendo Entertainment System) im Jahr 1987 eine weitere Konsole nach Europa. Erst mit dem für damalige Verhältnisse recht komplexen Spiel „Super Mario Bros.“ wurde Nintendo hierzulande aber erfolgreich. Ebenfalls 1987 erschien auch der Amiga-Computer. Die Spiele für den Rechner kamen auf 3,5-Zoll-Floppy-Disks. Teilweise brauchte man zehn Stück für die Installation eines Games. Die kleinen Disketten lösten die vorher größeren 5,25 Zoll und 8-Zoll-Disketten ab aus den 70ern und frühen 80ern ab.

1977 erfolgt der große kommerzielle Durchbruch mit dem Atari 2600: Mit 1,19 MHz Taktfrequenz und austauschbaren Cartridges können nun verschiedene Spiele ausgeführt werden. Legenden wie Space Invaders, Donkey Kong, Froggers und rund 1.200 weitere Spiele werden für das Atari Video Computer System veröffentlicht.
1977 erfolgt der große kommerzielle Durchbruch mit dem Atari 2600: Mit 1,19 MHz Taktfrequenz und austauschbaren Cartridges können nun verschiedene Spiele ausgeführt werden. Legenden wie Space Invaders, Donkey Kong, Froggers und rund 1.200 weitere Spiele werden für das Atari Video Computer System veröffentlicht. Foto: Wikipedia.de
 

Konsole oder PC – der ewige Streit

1989 landete Nintendo mit dem Game Boy gleich den nächsten Coup. Später folgten mit dem SNES (Super Nintendo Entertainment System) und dem Sega-Megadrive zwei Konsolen, die bis Mitte der 1990er den Markt dominierten. Und auch mich. In meinem Alter erinnert man sich noch an die kleinen grauen Spielekassetten, die – wenn sie einmal nicht funktionierten – durch ein kräftiges Pusten über die Kontakte wieder zum Laufen gebracht werden konnten. Zeitgleich kamen die ersten Heimcomputer mit x86-Prozessoren und Windows-Betriebssystem auf den Markt. Eine Ära, in der ich damals in die Welt der Videospiele einstieg. Der erste echte Computer mit Monitor, Tastatur, Maus und Tower kostete meine Familie damals um die 4000 Mark. Dafür bekam man technisch betrachtet und aus heutiger Sicht nicht viel. 800 Megabyte Festplatte und 16 Megabyte RAM. Auf dem 486er mit Windows 95 installierte man über 3,5-Zoll-Disketten, später dann auf CDs die Spieleklassiker meiner Jugend. Mit Age of Empires von 1997, Destruction Derby (1995), Fifa 99 (1998), Need for Speed (1995), Worms (1995), Command and Conquer (1995) und vielen, vielen mehr, verbrachte ich allein oder mit Freunden unvergessliche Stunden vor dem flimmernden Bildschirm.

Die Entwicklung war rasant. Waren die ersten Spiele hauptsächlich noch 2D-Anwendungen wie Pool Billard oder Fußball-Manager, folgten mit der Entwicklung Mitte der 90er endlich auch 3D-Spiele wie Duke Nukem 3D oder Tomb Raider. Was man heute als Pixelhaufen bezeichnen wurde, war zu der Zeit das maximal mögliche. „Besser? Das geht gar nicht!“ oder „Was soll da grafisch noch kommen?“ sind Zitate von mir und meinen Freunden, über die man heute nur noch Schmunzeln kann. Ein Elefant in Age of Empires bestand aus ein paar Pixeln, ein grauer Klotz mit Stoßzähnen. Heute zeigen Spiele wie Skyrim oder Far Cry, was grafisch machbar ist.

Nicht weniger erfolgreich war deswegen auch die erste Generation der Sony Playstation, die in Europa 1995 das Herz der Konsolenspieler eroberte. Ich hingegen setzte weiterhin auf den PC und Aldi war mein Dealer. Wann immer dort das neueste Modell des Aldi-PCs in die Regale kam, warteten die Leute in Schlagen vor den Filialen. Ein regelrechter Hype. Zu dieser Zeit war man im Umgang mit MS-DOS noch vertraut. Das Microsoft Disc Operating System war notwendig für die meisten Spiele. Auf ersten LAN-Parties spielten wir in den 90ern Command and Conquer.

Command and Conquer: Tiberiumkonflikt.
Command and Conquer: Tiberiumkonflikt. Foto: Screenshot
 

Das Internet schafft den Durchbruch

Mit Beginn der Internetnutzung kamen erste Netzwerkspiele auf den Markt. Mit Xbox, Sega Dreamcast und dem GameCube weitere Konsolen. Die Entwicklung durch das Internet und die fortschreitende Technik hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Komplexität der Spiele. Grafisch aufwendiger und zunehmend abhängiger vom Speicherplatz, mussten neue Speichermedien her. So fand die DVD Einzug in die Computerspielewelt. Neue Betriebssysteme wie Windows 98, Windows 2000 oder später Windows XP (2001) machten das Spiele installieren und Spielen immer leichter. Touchscreens wie beim Nintendo DS, die Veröffentlichung der Wii-Konsole (2006), die erstmals mit kabellosen Controllern und bewegungsgesteuerter Bedienung die Spielewelt überraschte und die zunehmenden Online-Funktionen dank verbesserter Internetzugänge sorgten für einen Kickstart ins Netz. Online-Spiele wurden Anfang der 2000er immer beliebter, dabei gab es sie schon Ende der 1990er. Darunter vor allem Ego-Shooter und Rollenspiele. Als wichtigste Games des Jahrzehnts gelten unter anderem Counter Strike (2000), Die Sims (2000), Diablo II (2000), Battlefield 1942 (2002), Resident Evil IV (2005), Crysis (2007) und World of Warcraft (2004). Noch heute diskutieren Computer- und Konsolenfans, welche Lösung die bessere ist. Ein „Streit“, der wohl noch Jahre andauern wird, obwohl der Verkauf von Desktop-PCs rückläufig ist. Ich spielte Counter Strike im Netz und tue das bis heute. Ein Serienmörder ist aus mir noch nicht geworden.

Konzentrierte Spieler leisten sich  virtuelle Gefechte.
Konzentrierte Spieler leisten sich virtuelle Gefechte. Foto: dpa
 

Physische Medien? Heute überflüssig.

Zunehmend verschwinden in letzter Zeit die physischen Datenträger zur Installation von Spielen von den Märkten. Mit Internet-Vertriebsplattformen wie Valves „Steam“ (seit 2003) oder EA's „Origin“ (seit zirka 2005) wird das Kaufen, Installieren und Warten von Computerspielen denkbar einfach. Massive Kritik gibt es von Spielern, die den Installationszwang bemängeln. Denn viele der neuen Spiele sind an die Plattformen gebunden, weshalb man um die Vertriebsplattformen nicht herumkommt. Zusätzlich belastet Origin die Ressourcen des PCs trotz einiger Updates noch immer massiv. Weiterhin steht der Datenschutz in der Kritik und auch der Online-Zwang. Viele Spiele lassen sich nur mit aktiver Internetverbindung überhaupt spielen. Dennoch bieten bestehende Zusatzfunktionen wie das Erstellen von persönlichen Profilen mit Statistiken, Spieler-Gruppen und Spiele-Bibliotheken, die über die Plattform aktualisiert werden, zu den Vorteilen. Ebenfalls sind die über das Nutzerkonto erworbenen Spiele nicht auf Datenträgern vorhanden, die bekannterweise eine begrenzte Lebensdauer haben. Praktisch. Wer spielen will benötigt heute kaum noch ein Laufwerk für DVDs oder Blurays – geschweige denn die gute alte Diskette. 

Spiele im Onlineshop der Steam-Plattform. Games werden online gekauft, installiert und auf dem aktuellsten Stand gehalten.
Spiele im Onlineshop der Steam-Plattform. Games werden online gekauft, installiert und auf dem aktuellsten Stand gehalten. Foto: Screenshot Steam
 
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erstellt am 12.Sep.2014 | 14:17 Uhr

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