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Müllers Netzwelt : Freiheit gibt es nicht geschenkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Abschaffung der Netzneutralität gefährdet die Vielfalt im Internet – doch die Nutzer können etwas tun.

Die Telekommunikationsbranche reibt sich die Augen angesichts dessen, was die Konzerne zurzeit alles durchgedrückt bekommen. Da wird auf Kosten des Wettbewerbs die Netzneutralität aufgeweicht. Sofort nach der Entscheidung zeigt die Telekom ihr wahres Gesicht. Sie will von Internetunternehmen eine Datenmaut erheben, damit deren Dienste beim Kunden ruckelfrei ankommen sollen.

Hört sich erstmal nicht schlimm an, denn die Internetunternehmen haben dann ja auch was davon. Guckt man genauer hin wird man feststellen, dass nur die Unternehmen mit einer ausreichenden Finanzkraft und etablierten Geschäftsmodellen diese Maut zahlen können. Die Unternehmen, die neue und innovative Dienste anbieten, müssen aufgrund ihrer fehlenden Marktmacht und dem noch leeren Portemonnaie erst mal das Ruckeln in Kauf nehmen. So bleiben die Großen groß und die Kleinen klein.

Schaut man noch genauer hin, wird man erkennen, dass auch der Wettbewerb bei den Telekommunikationsanbietern noch mehr leiden wird. Wird ein Netflix mit einem mittelständischen Telekommunikationsanbieter oder Kabelnetzbetreiber überhaupt verhandeln? Es wird also darauf hinauslaufen, dass nur die großen Telekommunikationsanbieter mit einigen Millionen Kunden eine Maut des Internetdienstes erhalten werden. Die Kleinen werden sich daher weiterhin ihre Umsätze vom Endkunden holen müssen. Ob der aber versteht, dass er einige Euro mehr ausgeben muss, damit er auch die Dienste des Start-ups ruckelfrei erhält?

Aber welche Alternative haben wir? Zum einen können wir, der Souverän, uns an die Politik wenden und zeigen, dass uns das missfällt, und zum anderen können wir durch die Auswahl unserer Anbieter auf die setzen, die die Vielfalt des Internets tragen und auf eine Datenmaut verzichten, auch wenn es uns mehr Geld kostet. Freiheit gibt es nicht geschenkt, die muss man sich leisten wollen.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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