zur Navigation springen

Bürgernetz an der Förde : „Freifunk Flensburg“: WLAN für die Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Projekt „Freifunk Flensburg“ soll kostenloses Internet in der Stadt bieten. Doch das birgt auch Risiken.

Flensburg | Wenn Thorben Dittmar durch Flensburg läuft, hat er allen Grund sich zu freuen: „Neulich hatte ich den ganzen Weg von der Toosbüystraße bis zum Südermarkt Internet“, erzählt der 19-Jährige von seinem Weg quer durch die Innenstadt. Das zeigt ihm, dass seine Arbeit Früchte trägt, denn er ist einer von rund 20 Freiwilligen, die an dem Projekt „Freifunk Flensburg“ arbeiten. Das Ziel der Ehrenamtler: ein flächendeckendes Bürgernetz einzurichten, so dass nicht nur Besucher der Stadt, sondern auch Einwohner kostenfrei und ohne Beschränkungen durch große Anbieter das Internet mit all seinen Möglichkeiten nutzen können, mobil oder in den eigenen vier Wänden.

Doch nicht nur das – mindestens genauso wichtig sei die Idee einer Plattform, auf der sich die Freifunker untereinander austauschen, Inhalte miteinander teilen oder private Dateien passwortgeschützt speichern können. Sozusagen ein Intranet für alle, die das Freifunknetz nutzen.

Seit gut einem Jahr wächst das Netz nun schon, an 54 Standorten in der Stadt sind Freifunk-Router installiert. Sowohl an öffentlichen Orten wie dem historischen Kompanietor wie auch in privaten Haushalten kann ein sogenannter Knoten für das Bürgernetz eingerichtet werden – von jedermann. Einzig erforderlich: ein bestehender Internetanschluss und ein Router der Freifunker. Den gibt es für 20 Euro bei den Ehrenamtlern zu kaufen. Die Geräte verbinden sich via Funk, Kabel oder – wenn sie besonders weit auseinander liegen – über das Internet miteinander. „Immer wieder ploppt irgendwo ein neuer Knoten auf“, berichtet Dittmar und lächelt. „Faszinierend, dass wir den Zugang zu so etwas umfassenden wie dem Internet herstellen.“

Doch das Ganze hat auch Nachteile, räumt Dittmar ein: Dadurch, dass jedermann sich unbehelligt in das Freifunknetz einwählen kann, und die angezeigten Seiten nicht gefiltert werden, bestehe die Gefahr des Missbrauchs, etwa für illegale Downloads. Derjenige, der das freie Netz nutzt, kann nicht zurückverfolgt werden: „Der Internetverkehr wird an unseren zentralen Server und von dort über das europäische Ausland ins Internet geleitet“, erklärt der Medieninformatikstudent Dittmar. So werde die sogenannte Störerhaftung ausgehebelt, nach der der Anschlussinhaber für alle Tätigkeiten über seinen Zugang haftbar gemacht werden kann – der durch den Umweg im Freifunknetz aber nicht ermittelt werden kann. „Wir sind uns selber nicht sicher, ob wir das gut finden“, sagt Dittmar. „Aber sonst müssten wir haften.“ Auch die Knoteninhaber seien auf so vor einer möglichen Haftung für Vergehen Dritter geschützt, erklärt Dittmar.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass der Datenverkehr zwischen dem Endgerät und dem Router unverschlüsselt sei, also abgefangen werden könnte. Doch: „Die meisten Seiten sind eh verschlüsselt“, sagt Dittmar und mahnt zu genereller Vorsicht: „Man sollte sich in jedem Netz immer fragen: ,Möchte ich hier Online-Banking machen?’“

Auch wenn die Ehrenamtler jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, mit einem professionellen Support wie die großen Internetanbieter können sie nicht aufwarten – auch wenn es in ihren Reihen sogar ausgebildete IT-Fachkräfte gibt. Es ist eben ein freiwilliges Projekt, und das soll es auch bleiben.

Neben Freifunk Flensburg setzen auch Initiativen in Städten wie Kiel, Lübeck oder Hamburg auf ein offenes Bürgernetz. Die in manchen Städten noch recht neue Idee wurde jedoch bereits 2009 in einem kleinen Ort im Kreis Plön als Lösung für die schlechte Breitbandanbindung umgesetzt. Die 460-Seelen-Gemeinde Postfeld stellte seine Internetversorgung vor fünf Jahren auf eigene Füße und wollte dadurch außerdem die Vernetzung der Dorfbewohner untereinander voranbringen – allerdings mit mäßigem Erfolg: „Es schlug nicht ein“, zieht Mitinitiator Herbert Scheller eine Bilanz.

Heute habe jeder schnelles LTE-Netz eines großen Anbieters, und es sei nicht einfach gewesen, Freiwillige für ein regelmäßiges Engagement zu finden. Doch in einer so überschaubaren Dorfgemeinschaft müsse die Kommunikation nicht digital erfolgen. Manchmal ist das direkte Gespräch am Gartenzaun eben schneller geführt, als der Rechner hochgefahren.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen