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Hetze nach Mord an 19-Jähriger : Freiburg-Trainer Streich: „Habe Angst vor dieser Entwicklung“

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Ein Flüchtling, der eine Studentin ermordet: Christian Streich hält auf einer Pressekonferenz eine emotionale Rede über den Hass, der Flüchtlingen und Helfern seither entgegen schlägt.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2016 | 17:18 Uhr

Freiburg | Viel weiß man nicht über den jungen Mann. Sein Alter ist bekannt, seine Herkunft und nun vor allem das: Er wird verdächtigt, die junge Studentin Maria (19) in Freiburg vergewaltigt und ermordet zu haben. Und: Er ist Flüchtling. Ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF) aus Afghanistan, um genau zu sein. 17 Jahre alt. Der Fall schlägt Wellen, im Netz sind zig Hasskommentare zu lesen, markige Statements wechseln sich ab mit Aufrufen von Politikern zur Mäßigung. Darunter sind auch nachdenkliche Worte des Fußball-Trainers Christian Streich, der sich immer wieder mal auf Pressekonferenz zur gesellschaftlichen und politischen Entwicklung äußert. Der 51-Jährige sagte vor dem Spiel gegen Darmstadt am Sonnabend (15.30 Uhr), er habe Angst vor dem, was momentan passiert.

In seiner etwa fünfminütigen Ansprache bezog sich Streich auch auf den AfD-Vorsitzenden in Mecklenburg-Vorpommern, Holger Arppe. Der hatte Marias Vater in einem Tweet „pathologische Realitätsverweigerung“ attestiert. Bei Marias Beerdigung rief die Familie zu Geldspenden für Flüchtlinge auf. Wer einer demokratischen Partei angehöre und einen Menschen, der so etwas erlebt hat, noch verhöhnen dürfe, da sehe man was los ist, sagt Streich.

Flüchtlingshelfern, denen jetzt der Hass entgegenschlage, zeigten das aktuelle Ausmaß der Situation, sagt Streich. „Wir in kürzester Zeit da angekommen, wo wir vor ein paar Jahren dachten: ,Da kommen wir niemals mehr hin‘“. Jetzt käme es darauf an, wie die Gemeinschaft in diesem Land auftreten wird und was gesellschaftlich toleriert wird. „Wenn ich höre, was einige Leute sagen dürfen, dafür wären sie vor ein paar Jahren gesellschaftlich degradiert worden“, sagt der Freiburg-Trainer. Das sei in kürzester Zeit passiert. Wer sich nicht klar gegen Rechts bekenne, der trägt eine Mitverantwortung für die künftige Entwicklung. „Das macht mir Angst.“

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