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Urheberrecht : Fotograf wird von Affen verklagt – und ist ruiniert

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Makake macht ein Selfie mit der Kamera eines Naturfotografen. Die Folge: ein jahrelanger Rechtsstreit um Einnahmen.

von
erstellt am 17.Jul.2017 | 16:15 Uhr

San Francisco | Es ist eine der skurrilsten Urheberrechtsstreitigkeiten der vergangenen Jahre: 2011 veröffentlichte der Brite David Slater ein Foto, das ein Makakenweibchen namens Naruto mit der Kamera des Naturfotografen von sich selbst gemacht hatte. Das tierische Selfie sorgte für großes Aufsehen und machte Slater weltweit bekannt. Doch wie sich jetzt herausstellt, bedeutete es auch den finanziellen Ruin des Fotografen.

Das Foto entstand in Indonesien, wo Slater eine Gruppe der dort vorkommenden Affen in freier Wildbahn begleitete. Dem britischen „Guardian“ berichtete der Naturfotograf, er habe das Foto bewusst herbeigeführt und lange dafür warten müssen, bis der Primat zur Kamera griff. Slater vertrat deshalb die Ansicht, dass er der alleinige Inhaber der Rechte an dem Foto sei und verklagte unter anderem die „Wikimedia Commons“ für Veröffentlichungen in ihrem Online-Lexikon „Wikipedia“. Seitdem beschäftigen sich die Gerichte mit der Frage: Kann jemand an dem Selfie eines Affen Rechte anmelden?

Die Antwort auf die Frage fällt für David Slater mehr als ernüchternd aus. Die Urheberrechtsbehörde US Copyright Office entschied 2014: „Die Behörde wird keine Werke registrieren, die die Natur, Tiere oder Pflanzen hervorgebracht haben. Ebenso wird die Behörde kein Werk eines göttlichen oder übernatürlichen Wesens registrieren.“ In einen 1222 Seiten starken Richtlinien-Entwurf flossen als Beispiele damals unter anderem auch ein Wandbild, das ein Elefant gemalt hatte und ein Treibholz, das vom Ozean geformt und geglättet wurde ein.

Slater wollte diese Entscheidung nicht einsehen und klagte weiter. Schließlich wurde das Foto auch in anderen Publikationen zahlreich abgedruckt und kommentiert. Doch der Naturfotograf war nicht der einzige, der zu juristischen Mitteln griff. Auch die Tierschutzorganisation Peta schaltete sich ein und verklagte ihrerseits David Slater im Namen des Affen. Petas Position: Wenn das Affenweibchen das Foto gemacht hat, hat es auch das Urheberrecht am Bild. In der Konsequenz müssen alle Einnahmen, die mit dem Foto erzielt wurden, dem Makaken zukommen. Bis heute zieht sich dieser Rechtsstreit, der aktuell vor einem US-Gericht verhandelt wird. Es sind sehr komplizierte Fragen, die die Richter verhandeln. Aktuell prüfen sie, ob Peta überhaupt eine enge Beziehung zu Naruto hat, um das Affenweibchen vor Gericht zu vertreten und ob der Makake einen Schaden davonträgt, wenn er nicht als Urheber genannt wird.

David Slater unterdessen verdient keinen Cent mit den Aufnahmen. Wie er dem „Guardian“ berichtet, hat ihn der Streit in den finanziellen Ruin getrieben. Die Verhandlung in San Francisco habe er via Internet über einen Livestream verfolgen müssen, weil der Naturfotograf sich den Flug nicht leisten könne. Seine kaputte Kamera-Ausrüstung könne er nicht mehr ersetzen. Er müssen jetzt umdenken: „Ich versuche, Tennis-Trainer zu werden. Ich denke sogar daran, mit Hunden Gassi zugehen, nur um meine Einkommensteuer zu zahlen“, sagt er der Zeitung. Tobias Fligge

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