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Online-Falle : Flirtportale: Der teure Klick zum großen Glück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Mausklick und schon lockt das große Glück – Flirtportale im Internet versprechen das Blaue vom Himmel. Doch statt einer neuen Liebe steht am Ende manchmal nur eine saftige Rechnung.

Sie heißen Parwise, Finya, Friendscout24, Parship, eDarling, Elitepartner – die Zahl der Singlebörsen im Internet geht in die Hunderte. Die Palette reicht von Gratis-Flirttreffs über kostenpflichtige Partnervermittlungen bis zum Seitensprung-Portal. Jede Zielgruppe wird bedient – Teenager genauso wie Senioren, Große, Kleine, Übergewichtige, ganz zu schweigen von den persönlichen Vorlieben.

Der Vorteil der Kontaktaufnahme via Internet liegt auf der Hand: Rund um die Uhr sind Tausende von Menschen ansprechbar, die Auswahl ist grenzenlos. In den Partnerbörsen haben alle die gleichen Absichten – da fällt es leicht, einen unbekannten Menschen anzusprechen. Flirten im Internet – das ist inzwischen so normal wie das Kennenlernen am Arbeitsplatz oder in der Disco.

Doch die Sehnsucht vieler Menschen nach einem Partner machen sich unseriöse Portale zu Nutzen. Und auch große Anbieter haben Tricks in ihre Webseiten eingebaut. Nutzer werden später zur Kasse gebeten – dabei wollten sie doch bloß kostenlos flirten.

Bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden von Nutzern, die sich geprellt fühlen. Da wollten Kunden nur kostenlose Testabos nutzen oder Flirt-Gutscheine einlösen, und tappten in die langfristige Abo-Falle. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einige Tipps zusammengestellt, die Kontaktsuchende beherzigen sollten:

Bei vielen Seiten ist die Anmeldung kostenlos. Mit der bloßen Anmeldung lernt man aber noch niemanden kennen. Für die Nutzung des vollen Angebots, vor allem die Kontaktaufnahme zu anderen Teilnehmern oder das Lesen empfangener Nachrichten, muss man ein Abonnement abschließen, das natürlich kostenpflichtig ist.

Bei einigen Flirtportalen erhält man unmittelbar nach der ersten kostenlosen Anmeldung Mitteilungen, dass sich im eigenen Postfach Kontaktmails von anderen Teilnehmern befinden. Da mit der einfachen kostenlosen Registrierung eine Nutzung des Postfaches jedoch nicht möglich ist und damit die Kontaktmails auch nicht gelesen werden können, ist die Verlockung, sich doch kostenpflichtig zu registrieren, sehr groß.

Viele Internetseiten bieten ihren Kunden eine sehr günstige Testphase für beispielsweise 1,99 Euro an, die sich in der Regel automatisch verlängert und dann kostenpflichtig wird. Zwar kann innerhalb der Testphase der Vertrag gekündigt oder innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden, doch manche Anbieter bestreiten schlicht, eine Kündigungserklärung erhalten zu haben.

Bei einem fristgerechten Widerruf teilen Unternehmen ihren Kunden gern mit, dass das Widerrufsrecht vorzeitig erloschen sei, da bereits Nachrichten versandt und/oder empfangen wurden. Doch nach dem Gesetzeswortlaut erlischt das Widerrufsrecht bei Dienstleistungen nur dann vorzeitig, wenn der Vertrag von beiden Seiten auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden vor Ablauf der Widerrufsfrist vollständig erfüllt wurde. Das ist bei Partnervermittlungsverträgen, bei denen der Anbieter sich über Monate zur Leistungserbringung verpflichtet, gar nicht möglich. Die Verbraucherzentrale hat schon etliche Unternehmen deswegen erfolgreich abgemahnt.

Einige Portale bitten ihre Kunden zur Kasse, selbst wenn fristgerecht widerrufen wurde. So verlangten die beiden Marktführer Parship und Elitepartner bei einem Widerruf bis zu 75 Prozent des Entgeltes für die gesamte Vertragslaufzeit. Klagen gegen beide Firmen hat die Verbraucherzentrale in erster Instanz gewonnen.

Obwohl die Anmeldung problemlos via Internet möglich ist, schreiben einige Anbieter (parwise.de, flirtcafe.de, flirt-fever.de, partnersuche.de) für eine Kündigung die Schriftform per Brief vor. Diese Klausel hält das Amtsgericht Hamburg (Az. 7c C 69/10) für unwirksam.

Partnersuchende, die einmal Kontakt mit Flirtportalen, Singlebörsen oder Partnervermittlungen hatten, müssen damit rechnen, mit Mahn- und Inkassobriefen überschüttet zu werden – unabhängig von der Rechtslage. Viele Betroffene halten dem Druck nicht Stand und zahlen, obwohl sie das gar nicht müssten. Rechtsexpertin Julia Rehberg empfiehlt dringend, erst mit der Verbraucherzentrale Kontakt aufzunehmen.

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erstellt am 23.Nov.2014 | 14:12 Uhr

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