Flensbook : Flensburg trifft sich in lokaler Facebook-Gruppe

Nachbarschaft 2.0 Mark Jürgensen kümmert sich um die lokale Facebook-Gruppe „Flensbook“.
Nachbarschaft 2.0: Mark Jürgensen kümmert sich um die lokale Facebook-Gruppe „Flensbook“.

Lokale Gruppen bei Facebook sind so etwas wie die Schwarzen Bretter der Stadt. Bei „Flensbook“ tauschen sich fast 34.000 Mitglieder aus.

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09. Mai 2015, 06:00 Uhr

Flensburg | Flensburgs Nachbarschafts-Tratsch hat sich vom Gartenzaun ins Internet verlagert. Bei Facebook vernetzen sich in der lokalen Gruppe „Flensbook“ fast 34.000 Mitglieder. Die Gründer der Gruppe haben zu Beginn selbst nicht erahnt, wie erfolgreich ihre Idee einer lokalen Facebook-Gruppe sein würde. Mark Jürgensen ist eigentlich Marketing-Experte und wollte einen Kanal für seine Firma „Kugelsicher-Marketing“ und deren Kunden gründen. 2011 erstellte er die Gruppe, Ziel waren damals um die 4000 Mitglieder.

Lokale Facebook-Gruppen funktionieren wie ein Schwarzes Brett für die Stadt. Anders als bei Fan-Seiten werden die Beiträge anderer Gruppenmitglieder genauso wie die der Facebook-Freunde behandelt und erscheinen im Newsfeed. So diskutieren die Mitglieder oder helfen sich gegenseitig, ohne dass man über das Netzwerk befreundet sein muss.

Ob man nun wissen möchte, wo man in der Stadt die beste Pizza bekommt, wo die schönsten Partys steigen oder sich einfach zum Klönschnack mit Menschen aus der Gegend virtuell treffen möchte: Wer neu in der Flensburg ist, kann sich erst einmal orientieren – solche Insider-Tipps findet man nicht in Reiseführern – und wer hier schon ewig wohnt, schwelgt in gemeinsamer Nostalgie. Auch gibt es immer wieder Tauschangebote, aktuelle Meldungen werden veröffentlicht und manche suchen nach technischer Hilfe für Handy-Probleme.

„Flensbook“ eine der größeren Gruppen im Norden. Daneben gibt es mehrere, die ähnlich funktionieren, wie „Kielbook“ (mehr als 50.000 Mitglieder), „Rendsbook/Faceburg“ (mehr als 23.000) oder „Neumünsterbook“ (gut 5000 Mitglieder) oder „Wenn du in Neumünster aufgewachsen bist“ (gut 3000).

Bei solch hohen Mitgliederzahlen ist der Aufwand, das Forum zu bändigen, immens. „Gepostet und kommentiert wird im Sekundentakt“, sagt Jürgensen. Vier Administratoren kümmern sich neben ihrem Arbeitsalltag um „Flensbook“ – Geld gibt es dafür nicht. „Wir wollen keine Beleidigungen, sondern wollen das Soziale der Seite fördern“, sagt der 42-jährige Flensburger. Er freut sich, wenn über die Gruppe Hilfsaktionen zusammen kommen. „Da war die Bitte eines Mannes, dessen todkranke Frau noch einmal ein Bad nehmen wollte. Das war in der Diako nicht möglich“, sagt Admin Frank Moritz. Sofort meldeten sich mehrere Flensburger und die Frau konnte sich diesen Wunsch erfüllen.

Doch immer wieder kommt es auch zu Streitigkeiten. Ganze Pöbel-Wellen können Mitglieder mit einem Beitrag ernten. Als ein Nutzer sich genervt über den Kita-Streik beschwerte, wurde er von anderen Mitgliedern wüst beschimpft und unter anderem aufgefordert, sich mit einem Hammer „die Scheiße aus dem Kopf“ zu schlagen. Aber auch die teils akrobatische Orthografie ist immer wieder Anlass für Häme.

Beleidigungen werden von den Admins so schnell wie möglich entfernt. Kontroverse Themen wie Politik oder Glaube sollen daher nach Wunsch der Admins nicht diskutiert werden. Spam, Werbung, Beleidigungen, vor allem aber auch Hassbotschaften und Hetze darf man bei „Flensbook“ nicht verbreiten. Wer wiederholt negativ auffällt, fliegt aus der Gruppe. „Zwischen 4000 und 5000 Leute haben wir schon rausgeschmissen“, sagt Moritz. „Dieses virtuelle Hausrecht behalten wir und vor“, betont auch Jürgensen. Er musste sich deswegen schon als Diktator von Flensburg beschimpfen lassen.

Umso mehr freut sich das Team über positive Beiträge. Über kleine Gesten, beispielsweise wenn jemand ein gefundenes Handy meldet oder über große Aufmerksamkeit für eine Typisierungs-Aktion. „Ich selbst bin durch die Gruppe viel sozialer geworden“, sagt Jürgensen. „Das steckt an.“

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