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Tipps für Klicks : Filter, Motive, Farben: Was heißt schon „gut“ bei Instagram?

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Die Tipps für ein erfolgreiches Instagram-Profil drehen sich vor allem um eines: Konformität.

Ausgerechnet Kevin Systrom, der Chef von Instagram, sei nicht wirklich „gut“ auf der eigenen Bilder-Plattform. Das urteilten zumindest laut Quartz die New Yorker Style-Bloggerinnen Chelsea Melone und Liza Heralds. Die Zusammenstellung der Bilder sei viel zu unruhig und durcheinander. Denn Systrom macht, was so viele Nutzer tun: Er findet ein Bild aus seinem Alltag schön und stellt es auf die Plattform, garniert mit ein paar Hashtags. Das reicht vom Kaffee aus der Vogelperspektive, über bunte Meeting-Runden, Hunde in Kostümen bis hin zum sportlichen Erfolg auf dem Mountain-Bike. Wirklichen Style habe man aber nur, wenn man sich ein Thema aussuche. Das empfehlen nahezu alle Ratgeber für einen erfolgreichen Instagram-Account. Mode, Luxus, Landschaft, Yoga und Tiere gehören zu den beliebtesten Rubriken.

From all of us in the Systrom family, especially @dolly, #maythefourthbewithyou ✨✨✨

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Die New Yorkerinnen gehen sogar noch weiter: Melone bemängelt, dass Systroms Fotos auch im Farbschema nicht zueinander passten. Sie selbst verwende immer eine ähnliche Farbpalette. Denn wenn sich Instagram-Nutzer überlegen, ein Profil zu abonnieren, haben sie nicht immer nur ein Einzelbild, sondern oft eine Reihe der Bilder vor sich. Und je harmonischer die sich aneinander fügen, umso ansprechender wirke das ganze Profil. In einem Online-Wiki wird sogar empfohlen, sich zu Beginn auf zwei bis drei Lieblingsfilter zu konzentrieren und nur diese zu verwenden. Das sehe gleich viel professioneller aus. Andere empfehlen: Je kühler und heller die Farben, desto beliebter sind oftmals die Bilder. Clarendon, Juno, Ludwig heißen dann die Filter der Wahl. Und: Bei Food-Bildern auf braune Soßen verzichten – „lieber einen Salat posten, besonders wenn man auch Vegetarier nicht verschrecken möchte.“

Liza Heralds postet hauptsächlich Food and Fashion in New York.

Liza Heralds postet hauptsächlich Food and Fashion in New York.

Foto: Screenshot: Instagram

Sie mögen ja recht haben – zumindest für all jene, die sich nach mehr Klicks sehnen. Wer den Inhalt eines Profils schnell erfassen kann, wird sicher auch schnell sehen, ob sich ein Abo lohnt. Wer also mit seinem Instagram-Konto lediglich darauf aus ist, Like-Zuwachs zu gewinnen, sollte auf die New Yorkerinnen hören. Doch ist das der Erfolg, den man möchte? Wer will auf Dauer nur Nordsee im Nebel? Nur Stormarn bei Sonnenschein?

Nicht umsonst wird in Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Niedergeschlagenheit und sozialen Medien beschäftigen, Instagram stets ganz vorn genannt. Hier wollen viele Nutzer allzu perfekt wirken. Aber vielleicht sollte man zuerst überlegen, was für einen selbst ein erfolgreiches Instagram-Profil ausmacht: Viele Abonnenten? Dass es in sich stimmig ist? Kunst? Oder will man damit einfach nur im Freundeskreis zeigen, was gerade los ist?

Wir sehen unsere reale Welt auch nicht immer durch denselben Filter – und vor allem nicht durch einen, der gefällig ist oder gerade angesagt. Instagram eignet sich neben dem Bedienen des Massengeschmacks vor allem für zwei Dinge: seinen Freunden eine Art Bilder-Tagebuch zu zeigen. Dann sollte man das Profil ohnehin lieber auf Privat stellen und nicht versuchen, namenlose Fremde mit dem überperfekten Cupcake zu beeindrucken. Schließlich sind Freunde jene Verrückten, die einen kennen und trotzdem mögen.

Oder aber man möchte irgendeine Form von Kunst präsentieren. Fotos, Zeichnungen, Memes, die witzige Entdeckung am Straßenrand. Und hier gilt: Malen nach Zahlen ist keine Kunst. Wer der Meinung ist, nur Landschaften im Ludwig-Filter zu zeigen, wird schnell merken: Die Likes dafür sind nichts wert. Kunst darf und soll auch mal anecken. Wer sogar Angst hat, Follower zu verlieren, weil er jemanden mit einem Bild überraschen könnte, wird immer Mittelmaß bleiben. Kunst entsteht, indem man ausgelatschte Gedankenmuster verlässt.

Eine Sache kann man sich aber dennoch beim Anlegen des Profils überlegen: Was genau macht meine Bilder besonders? Ist es meine Liebe fürs Detail? Lebe ich an einem interessanten Ort oder bringe ich eine Mischung an Interessen mit, die spannend ist? Wo bin ich anders als die Massen an Yogainspiration im Juno-Filter, mit denen Instagram ohnehin schon voll ist? Stumpf das Erfolgsschema für den Massengeschmack zu kopieren, ist kein frischer Frühlingssalat, sondern labbrige Soße.

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erstellt am 02.Jun.2017 | 10:16 Uhr

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