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Dreyklufts Netzwelt : Festnahme vor dem Verbrechen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Software „Precobs“ soll Einbrüche erkennen, bevor sie geschehen. Das Prinzip dahinter dürfte ausbaufähig sein. Erschreckend, meint unser Kolumnist.

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erstellt am 31.Mär.2015 | 18:04 Uhr

Moderne Technik kann Verbrechen nicht nur aufklären. Sie kann sie auch vorhersagen. Das kennen Sie aus dem Kino? „Minority Report“? Nein, das gibt es auch in echt. Hier heißt das Programm nicht „Precogs“, wie bei Tom Cruise, sondern „Precobs“. Ausgeschrieben „Pre Crime Observation System“, auf deutsch etwa: System zur Beobachtung vor der Straftat. Ein mehrmonatiger Versuch lief vorgestern in Bayern aus. Das Ergebnis steht noch aus. In Zürich ist Precobs bereits seit 2013 im regelmäßigen Einsatz.

Die Software, die sich zwei Männer aus Oberhausen ausgedacht haben, entdeckt Muster im Verhalten von Profieinbrechern und erkennt Serien. Bei Gelegenheitsverbrechern kapituliert das Programm. Die Meinungen über die Wirksamkeit gehen unter Experten auseinander. Die einen halten es für ein Mittel zur Verbrechensaufklärung, andere für einen Anlass zur Prävention durch verstärkte Streifen in gefährdeten Gebieten. Die Landeskriminalämter Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen halten es für nutzlos.

Datenschützer, etwa der bayerische, halten es immerhin für harmlos. Erfasst werden Ort, Zeit und Beute, keine personenbezogenen Daten. Darauf legen auch die Entwickler von der Firma „Institut für musterbasierte Prognosetechnik“ großen Wert.

Staatliche Ermittler, das zeigt die Erfahrung, werden es dabei nicht bewenden lassen. Zu groß ist die Versuchung, Personendaten in die Analyse einzubeziehen. „Freiheit braucht Sicherheit“ ist das Totschlagargument. „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“, sagte, etwas verkürzt, einst Benjamin Franklin. Auf den hört keiner mehr. Stattdessen heißt es wohl irgendwann: „Sie werden beschuldigt, eine Straftat begehen zu werden.“

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