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Russischer Einfluss auf US-Wahl 2016 : Festnahme nach NSA-Leak: Whistleblowerin flog durch Drucker auf

vom

Ein geheimes NSA-Dokument legt nahe: Der russische Militärgeheimdienst versuchte noch weitgehender in die Wahl einzugreifen als bekannt.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2017 | 12:32 Uhr

Washington | Das FBI hat eine 25-jährige Frau festgenommen, die vertrauliche Informationen des Geheimdienstes NSA an die Website „The Intercept“ weitergegeben haben soll. Das Justizministerium teilte eine entsprechende Festnahme im US-Bundesstaat Georgia am Montag mit. Dem US-Sender NBC wurde ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem nur eine Stunde zuvor erschienenen „Intercept“-Bericht bestätigt. Die Whistleblowerin fiel dem Bericht zufolge auf, weil sie eine von sechs Personen war, die das geheime Dokument gedruckt hatte. Die Frau war aber offenbar die einzige, die auch Mailkontakt mit „The Intercept“ gehabt habe.

Die US-Regierung unter Donald Trump hat angekündigt, mit aller Macht gegen Leaks und die Weitergabe geheimer Informationen vorzugehen. Der stellvertretende Chefankläger Rod Rosenstein erklärte am Montag zu der Festnahme, die Weitergabe vertraulichen Materials gefährde die nationale Sicherheit und untergrabe das Vertrauen in die Regierung.

Worum geht es in dem Bericht?

Der „Intercept“-Bericht befasst sich mit russischen Versuchen einer Beeinflussung der US-Wahl 2016. Demnach zeigten die NSA-Dokumente eindeutig, dass der russische Militärgeheimdienst noch weitgehender in die Wahl einzugreifen versuchte als bekannt. Belegt seien demnach nun auch Attacken auf Systeme der Wählerregistrierung.

Was ist „The Intercept“?

„The Intercept“ ist eine Website, die unter anderem von Laura Poitras und Glenn Greenwald betrieben wird. Sie gelangte im Zusammenhang mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zu einiger Berühmtheit.

Gegen wen richteten sich die Cyberangriffe?

Dem Bericht zufolge haben sich die Cyberangriffe nicht den direkten Weg gesucht, um das Wahlsystem zu beeinflussen. Zunächst seinen Phishing-Emails an die Firma VR-Systems gegangen. Das Unternehmen aus Florida war der Lieferant von elektronischen Wahlsystemen und Ausstattung in acht Staaten. Das Unternehmen habe unter anderem die Soft- und Hardware gestellt, mit der Wahlberechtigte am Wahltag verifiziert wurden. Dem Bericht zufolge könnte einer von acht Angriffen erfolgreich gewesen sein. Die Adressaten der Phishing-Mails wurden vermeintlich von Google dazu aufgefordert, ihre Login-Daten anzugeben. Doch die Gmailadresse war ein Fake, und die erbeuteten Logindaten wurden mutmaßlich genutzt, um später als VR-Systems weitere Phishingmails auszusenden. Offenbar gingen 122 Mails mit einem infizierten Word-Dokument an lokale Regierungsangestellte. Über die Malware konnten die Hacker Zugriff auf die Rechner erhalten.

Wie erfolgreich waren die Cyberangriffe?

Genau kann keiner sagen, ob die Hacker mir ihrer Einflussnahme erfolgreich waren. Vor allem die dezentrale Infrastruktur sei unübersichtlich, heißt es in dem Bericht.

Ist die Quelle vertrauenswürdig?

„Intercept“-Sprecherin Vivian Siu sagte, das NSA-Dokument sei der Enthüllungsplattform anonym zugespielt worden. Das Medium habe „keine Kenntnis über die Identität der Quelle“. CNN berichtet, es handele sich bei der Festgenommenen um Reality Leigh Winner, die für die Pluribus International Corporation in Georgia gearbeitet habe. Ein US-Funktionär habe dem Sender gegenüber bestätigt, dass es sich tatsächlich um ein NSA-Dokument handelt.

Gab es die Angriffe wirklich?

Sollte sich die Echtheit des Dokuments bestätigen, würden die Informationen über die Erkenntnisse eines Geheimdienstbericht aus dem Januar hinausgehen. Darin kamen mehrere Dienste zu der Schlussfolgerung, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine Kampagne zur Manipulationen der Präsidentschaftswahl angeordnet hat. Diese soll sich auf eine Kombination verschiedener Strategien gestützt haben, darunter verdeckte Geheimdienstoperationen, gezielte Berichterstattung der Staatsmedien sowie das Agitieren bezahlter Nutzer in sozialen Netzwerken. Russland bestreitet das. Auch die neuen Vorwürfe wies Moskau entschieden zurück. Der Kreml betonte, dass man nicht versucht habe, die US-Wahl zu beeinflussen. „Diese Behauptung entspricht absolut nicht der Wahrheit“, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

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