zur Navigation springen

„Hintertür“ zum iPhone : FBI-Chef verteidigt Forderungen an Apple

vom

Der Streit zwischen Apple und den US-Behörden geht weiter. Im März soll es eine Anhörung geben.

Washington | Der verbale Schlagabtausch von Apple mit US-Behörden geht in die nächste Runde. FBI-Chef James Comey versicherte, dass er mit dem Druck auf den Konzern zum Entsperren des iPhones eines toten Attentäters keinen Präzedenzfall für spätere Überwachung anstrebe. „Es geht um die Opfer und um Gerechtigkeit“, schrieb der Direktor der Bundespolizei in einem in der Nacht zu Montag veröffentlichten offenen Brief.

Apple war von einer US-Richterin angewiesen worden, dem FBI beim Entsperren eines iPhones zu helfen. Unter anderem soll der Konzern per Software-Eingriff die Funktion abschalten, die alle Daten löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird. Das iPhone 5c war von Syed Rizwan Farook genutzt worden, der gemeinsam mit seiner Frau Anfang Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschoss.

Apple-Chef Tim Cook hatte vergangene Woche ebenfalls in einem offenen Brief erklärt, warum er sich gegen die FBI-Forderungen sperre. Die von den Ermittlern benötigte Software überhaupt zu schreiben, würde eine Hintertür zum iPhone öffnen und die Sicherheit für alle senken, argumentierte er. „Wir wollen keine Verschlüsselung brechen oder einen Generalschlüssel in die Welt setzen“, konterte Comey. Zugleich räumte er ein, dass es mit der Verschlüsselung einen Konflikt zwischen Sicherheit und Privatsphäre gebe. „Dieser Konflikt sollte nicht von Unternehmen gelöst werden, die davon Leben, Dinge zu verkaufen“, schrieb er.

Allerdings auch nicht vom FBI, dessen Job Ermittlungen sind, sondern grundsätzlich vom amerikanischen Volk. Die unknackbare Verschlüsselung von Nutzerdaten bei Anbietern wie Apple oder Google ist US-Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Zuletzt hatten Google und Whatsapp Apple unterstützt, es gehe „um die Freiheit“.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump rief zum Boykott von Apple auf, bis der Konzern einlenke. Nach dem FBI forderte auch das US-Justizministerium, Apple müsse den Ermittlern helfen, den Passwortschutz des Telefons auszuhebeln. Apple warf den Behörden im Gegenzug vor, sie hätten sich mit einem ungeschickten Vorgehen selbst in eine Sackgasse gebracht. „Boykottiert Apple, bis sie das Passwort rausrücken“, sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina. Apple-Chef Tim Cook mache daraus „eine große Nummer, wahrscheinlich um zu zeigen, wie liberal er ist“.

Unter manchen Tweets, die Trump von seinem Twitter-Profil sendet, findet sich allerdings der Hinweis, er setze sie von einem iPhone ab. Der 69-Jährige stellte aber rasch klar: „Ich nutze sowohl Apple als auch Samsung. Wenn Apple die Info über die Terroristen nicht an die Behörden gibt, werde ich nur noch Samsung nutzen, bis sie die Info rausgeben.“

Für den 22. März wurde eine Anhörung in dem Fall angesetzt. Zunächst hat Apple bis zum 26. Februar Zeit, auf die Anordnung der Richterin zu reagieren. Der Konzern habe Ermittlern vier Wege vorgeschlagen, wie man Zugang zu Informationen im Telefon bekommen könnte, auch ohne das Passwort zu knacken, sagten ranghohe Apple-Mitarbeiter in einer Telefonkonferenz mit US-Journalisten. Eine der Ideen sei gewesen, es mit einem bekannten Wlan zu verbinden und eine Sicherung der Daten im Online-Speicherdienst iCloud auszulösen. Dabei sei jedoch entdeckt worden, dass jemand das Passwort der dazugehörigen Apple-ID geändert habe, und zwar als das iPhone bereits in der Hand der Behörden war, berichtete unter anderem die Website „Buzzfeed“. Damit sei dieser Weg verbaut worden.

Am Freitag stützte das US-Justizministerium mit einem eigenen Antrag beim Gericht die Forderungen der Bundespolizei FBI. In dem Papier steht auch, das Passwort der Apple-ID sei in der Gesundheitsbehörde von San Bernardino geändert worden, der das vom Attentäter Syed Rizwan Farook genutzte iPhone gehörte. Das FBI betonte, es habe den Schritt angewiesen, um an Informationen aus dem iCloud-Speicher zu kommen. Die letzten Daten dort stammten aber von Oktober.

 

zur Startseite

von
erstellt am 22.Feb.2016 | 08:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen