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Anschlag in Berlin : Facebooks Safety Check: Soll Angst nehmen, macht aber auch Angst

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Facebook-Funktion soll zeigen: Meinen Liebsten geht es gut. Wie sie funktioniert. Und wo sie Grenzen hat.

Alle aktuellen Informationen zu den Ereignissen in Berlin gibt es in unserem Liveblog.

Facebook bietet für Krisensituationen eine Funktion, die Angst nehmen soll. Den „Safety Check“. Ursprünglich für Naturkatastrophen gedacht, wird er seit Paris auch für andere katastrophale Ereignisse benutzt. Facebook-Nutzer, die sich in einem betroffenen Gebiet befinden, können hier bestätigen, dass es ihnen gut geht.

Inspiriert zu der Funktion wurde Facebook nach eigenen Angaben durch den Tsunami in Japan im Jahr 2011.

 

Ursprünglich war die Funktion ausschließlich für Naturkatastrophen gedacht. Im November 2015 setzte Facebook den Safety Check erstmals auch für einen Terroranschlag ein, damals in Paris. Nach Darstellung von Facebook fiel die Entscheidung für Paris spontan, „weil wir während des Ereignisses viel Aktivität auf Facebook beobachteten“.

Facebook geriet in die Kritik, weil die Funktion bei anderen Anschlägen, etwa einem Bombenanschlag in Beirut im November 2015 mit 40 Toten, nicht eingeschaltet wurde. Unterstellt wurde dem Unternehmen, einen zu westlichen Blick zu haben. Mark Zuckerberg bezeichnete die Kritik in einer öffentlichen Stellungnahme auf Facebook als „richtig“. Safety Check werde ab sofort öfter eingesetzt. 

 

Schon beim Amoklauf in München wurde der Safety-Check ausgelöst. Nun also Berlin. Laut einem Facebook-Sprecher wird die Funktion automatisch ausgelöst, wenn Begriffe wie „Erdbeben“  oder „Anschlag“ in einer Region viel gepostet werden und externe Dritte, also Medien, ebenfalls berichten. 

„Der Vorfall am Weihnachtsmarkt in Berlin“ heißt die Seite am Mittwochmorgen inzwischen. Laut Screenshots und Aussagen von Facebook-Nutzern hieß sie zwischenzeitlich auch „der Anschlag in Berlin“.

Der „Safety Check“ auf Facebook nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin.
 

Die Idee des „Safety Check“ klingt logisch. Telefonnetze sind in Krisensituationen oft überlastet, die Menschen kommunizieren dann eh über das Internet, im Zweifel über Facebook. Also stellt Facebook eine einfache Funktion zur Verfügung, die hilft zu sagen, dass es einem gut geht.

Facebook definiert dafür ein Gebiet, Wer sich dort aufhält, bekommt die Aufforderung, sich als „in Sicherheit“ zu markieren oder anzuklicken, dass man sich nicht im Gefahrengebiet befindet., Facebook-Nutzer können ihre Freunde auch explizit auffordern, sich als „in Sicherheit“ zu markieren. Was es nicht gibt: eine Funktion, mit der man markieren könnte, dass man „Nicht in Sicherheit“ ist.

Am Morgen nach dem „Vorfall am Weihnachtsmarkt in Berlin“ lässt mich Facebook mit einem beklemmenden Gefühl zurück. „20 Freunde wurden noch nicht als ,in Sicherheit’ markiert“. Einige davon habe ich explizit aufgefordert, sich zu melden. 39 wurden dagegen als „in Sicherheit markiert, 39 gute Nachrichten also. Das ist schön zu wissen. Über die 20 anderen mache ich mir nun mehr Sorgen als ohne „Safety Check“.

>> So funktioniert der „Safety Check“ (Facebook-Konto erforderlich)

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erstellt am 20.Dez.2016 | 13:48 Uhr

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