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Free Basics : Facebooks großer Plan: Eine Plattform für alle Lebenslagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Facebook hat nicht nur mehr als 1,5 Milliarden Nutzer, sondern arbeitet auch hart daran, sie enger an sich zu binden. Immer neue Dienste für alle möglichen Situationen sollen sie länger auf der Plattform halten.

Facebook stellte im vergangenen Jahr neue Rekorde auf: 1,5 Milliarden Nutzer weltweit, eine Milliarde täglich. Den Facebook Messenger nutzten zuletzt 800 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Doch für das weltgrößte Online-Netzwerk ist das nicht genug. Der US-Konzern und seine Dienste sollen zu einer Plattform werden, die man immer seltener verlassen muss, egal, was man im Netz vorhat. Zugleich macht Gründer Mark Zuckerberg verstärkt Druck, Milliarden Menschen mehr in Entwicklungsländern ins Netz – und gleichzeitig zu Facebook – zu bringen.

In Indien startete das Unternehmen im November seine Plattform für kostenlosen, aber eingeschränkten Internet-Zugang „Free Basics“. Eingeschränkt deshalb, weil die Nutzer nur Facebook selbst und auf bestimmte, von Facebook ausgewählte Webseiten zugreifen können. Ein Projekt, das für heftigen Gegenwind sorgt: Im Dezember hatte die indische Aufsichtsbehörde für Telekommunikation (TRAI) einen Angebotsstopp ausgesprochen. Kritiker sehen durch das Angebot unter anderem die Netzneutralität in Gefahr. Sie besagt, dass alle Angebot im Netz gleich behandelt werden müssen. Laut Spiegel Online haben inzwischen 400  000 Verfechter der Netzneutralität an TRAI geschrieben. Durch die Begrenzung auf bestimmte Seiten sollen außerdem Unternehmen dazu gebracht werden, sich geschäftlich mit Facebook einzulassen, bemängeln Kritiker. Der Konkurrenz werde so außerdem Wasser abgegraben, der Wettbewerb verfälscht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass über „Free Basics“ gesammelte Daten 90 Tage lang vom US-Unternehmen gespeichert werden.

Facebook hält dagegen und fordert Nutzer auf, eine Petition an die Behörde zu unterzeichnen, den Stopp aufzuheben. Auch außerhalb des Internet rührt Facebook die Werbetrommel, der Konzern fährt eine PR-Kampagne, die sich gewaschen hat: überall hängen Plakate, die Zeitungen drucken seitenweise Werbeanzeigen, berichtet Spiegel Online. Indien ist bislang das größte Testfeld für das Produkt „Free Basics“, das das Online-Netzwerk in seiner Initiative Internet.org umsetzen möchte.

„Wir wissen, dass Facebook einer der Hauptgründe ist, weshalb Menschen vor allem in Entwicklungsländern Telefone kaufen“, sagte die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg schon vor rund einem Jahr. „Die Menschen gehen in Telefon-Läden und sagen: ,Ich will Facebook’. Die Leute verwechseln Facebook und Internet mancherorts.“

Auch mit seinen anderen Diensten möchte Facebook den Bedürfnisse der Nutzer immer weiter gerecht werden und ihnen ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten. So wird der Facebook Messenger mit zuletzt mehr als 800 Millionen Nutzern zu einer Art Schweizer Taschenmesser unter den Kurzmitteilungsdiensten entwickelt. Zuletzt wurde vorerst in den USA ein Knopf für den direkten Zugriff auf Fahrdienste wie Uber eingefügt. Zuvor baute Facebook eine Funktion zum Bezahlen und dem Überweisen kleiner Geldbeträge an Freunde sowie einen Videochat ein und startete das ambitionierte Projekt eines persönlichen Assistenten direkt im Messenger.

„M“ soll den Nutzern bei allen möglichen Alltags-Problemen helfen: Einen Tisch im Restaurant reservieren, ein Geschenk für den Partner aussuchen, ein Reiseziel fürs Wochenende auswählen und gleich buchen.„Er kann Dinge, die niemand sonst kann“, prahlte Messenger-Chef David Marcus bei der Vorstellung im August mit Blick auf andere digitale Assistenten wie Apples Siri oder Microsofts Cortana. Denn neben Algorithmen setzt Facebook bei „M“ auch auf menschliche Helfer, die dafür sorgen sollen, dass jede Anfrage erfüllt wird.

Außerdem will Facebook der Google-Tochter Youtube mit mehr Videos Konkurrenz machen, experimentiert mit integrierten Mini-Onlineshops in seiner Mobil-App, hat mehr als 400 Millionen Nutzer beim Foto-Dienst Instagram, lässt Live-Videos streamen und will mit „Instant Articles“ zu einer Plattform für Artikel klassischer Medien werden. Die Inhalte werden dabei bei Facebook gespeichert, damit es keine Wartezeiten gibt.

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