zur Navigation springen

Nagars Netzwelt : Facebook und der digitale Goldrausch

vom

Der dicke Klumpen Facebook wird hingegen langsam so unübersichtlich wie das World Wide Web selbst, meint Kolumnistin Mira Nagar.

Die Goldgräberzeiten sind vorbei. Längst ist der größte Klumpen gefunden, der Fluss ist ausgewaschen und nur klitzekleine Nuggets bleiben zurück. Der Markt der Sozialen Netzwerke im Internet scheint aufgeteilt und der Platzhirsch Facebook saugt wie ein Schwarzes Loch die Nutzer von anderen Seiten auf. Nachdem das in Deutschland einst so beliebte StudiVZ  zur Bedeutungslosigkeit schrumpfte und mittlerweile mehr schlecht als recht ein paar einsame Seelen versammelt, macht das Netzwerk „Wer kennt wen“ Ernst. Anfang Juni stellt die Seite ihre Dienste ein, alle Daten, Fotos und Kontakte werden gelöscht. Unwiderruflich.

Nun war „Wer kennt wen“ offenbar ein lokales Phänomen, eher im Süden Deutschlands präsent. Es wurde aber Ende des vergangenen Jahrzehnts noch als große Netzwerk-Hoffnung gehandelt. Damals, als der große Goldklumpen noch nicht verteilt war. Der Grund für das Aus von „Wer kennt wen“ sind sinkende Nutzerzahlen. Wer beharrlich geblieben ist, kann jetzt noch seine Daten sichern – und wird vom Portal auf das nächste Netzwerk verwiesen: Seniorbook. Eine Art kultiviertes Facebook für die ältere Generation. Weniger Pöbelei, man siezt sich. Eine digital gewordene Ü40-Party. Den Angaben nach wächst die Nutzerzahl um täglich mehrere Hundert. Eine gesunde Entwicklung jenseits vom Goldrausch.

Der dicke Klumpen Facebook wird hingegen langsam so unübersichtlich wie das World Wide Web selbst. Das Netzwerk verkommt allmählich zum globalen, telefonbuchartigen Register der Kontakte und Aggregat von Fanseiten, doch die eigentlich interessanten Diskussionen und Informationen strömen bei vielen Nutzern mittlerweile über andere Kanäle herein. Vorsortiert nach Nischenthema, Region oder Alter. Viele Jugendliche meiden das Netzwerk von vornherein, in dem auch ihre Eltern und Lehrer herumhängen, andere sind skeptisch wegen der undurchsichtigen Datenschutzbestimmungen. Die liebsten persönlichen Kontakte pflegt man ohnehin lieber in der (Whats)App.

Beobachter erwarten schon seit einiger Zeit, dass sich der große Klumpen Facebook wieder zerschlägt. Und vielleicht glitzern dann ja wieder neue Nuggets im Datenstrom.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen