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Treffen mit Justizminister Heiko Maas : Facebook plant neue Maßnahmen gegen rassistische Hetze

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Das soziale Netzwerk will gegen rechte Hetze auf der Plattform vorgehen. In den letzten Wochen war die Plattform wegen seines Umgangs mit Hassreden in die Kritik geraten.

Berlin | Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Facebook. Sie vernetzen sich mit alten Schulfreunden, posten herzige Katzenfotos und diskutieren über Politik. Doch die aktuelle Debatte um die Flüchtlingspolitik hat gezeigt, dass Facebook inzwischen auch ein Tummelplatz für Neonazis und Rassisten ist. Sie kübeln in dem sozialen Netzwerk bislang oft ungehindert in deutscher Sprache ihre Hass-Parolen aus. Wer unangemessene Beiträge meldet, muss gelegentlich erleben, dass der üble Kommentar trotzdem online bleibt. Weil nicht nur Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) findet, dass das eigentlich nicht geht, hat er sich jetzt mit Vertretern von Facebook in Berlin getroffen. 

Das Ergebnis des zweistündigen Gesprächs? Das Justizministerium wird eine Arbeitsgruppe („Task Force“) gegen Hassbotschaften im Internet gründen, die Facebook mit einem „signifikanten finanziellen Beitrag“ unterstützen wird. Doch den Facebook-Leuten ist es auch wichtig, sich von Maas nicht öffentlich maßregeln zu lassen.

Deshalb kündigt die Firmenleitung von Facebook-Deutschland zwei Stunden vor dem Termin mit Maas eine Partnerschaft mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) an. Außerdem soll eine eigene „Task-Force“ zum Umgang mit Hass-Botschaften entstehen.

Aus Sicht der Adressaten dieser Hass-Botschaften war dieser Schritt längst überfällig. Ob die Kritik an Facebook durch diese Maßnahmen ganz verstummen wird, ist allerdings noch offen. Denn das Unternehmen hält „diskutieren statt löschen“ oft für den besseren Weg. Im Facebook-Jargon nennt sich das „Counter Speech“ (Gegenrede). Debatten auf Facebook dürften auch in „robuster Diktion“ geführt werden, heißt es. 

Doch soll man wirklich auf Kommentare antworten, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen? Viele User fragen sich: Wo endet die Meinungsfreiheit, auf die sich Facebook gerne beruft und wo beginnt die rassistische Hetze? „Das, was da zum Teil gepostet wird, verstößt nicht nur gegen deutsches Recht, sondern auch gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook“, sagt Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Und: „Da gibt es Leute, die beschreiben öffentlich ihre Folter- und Vergewaltigungsfantasien, das ist einfach unfassbar.“ Mehrere Abgeordnete seiner Fraktion haben wegen Hass-Parolen bei Facebook, die konkret gegen sie gerichtet waren, bereits Strafanzeige gestellt.

In den vergangenen Monaten hatten nicht nur viele Politiker, sondern auch Künstler und ehrenamtliche Helfer, die sich für Flüchtlinge einsetzen, Hass-Botschaften und Morddrohungen via Facebook erhalten. In den sozialen Netzwerken und bei vielen Journalisten gab es massiven Protest gegen den Umgang von Hassbotschaften und Hetze. Kritisiert wurde auch der Umgang rassistischer Kommentare im Vergleich zur Darstellung von Nacktheit. shz.de-Onlinechefredakteur Joachim Dreykluft wurde für einen Tag von Facebook gesperrt, weil er einen Artikel mit einem Bild von nackten, weiblichen Brüsten versah. Die B.Z. protestierte am Montag dagegen, indem sie einen Tag nur Gemälde nackter Frauen und Männer auf Facebook postete.

Fest steht auf jeden Fall, dass das Löschen der Hass-Botschaften nicht so einfach ist, wie das Herausfiltern von Kinderpornografie über Bilderkennungssoftware. Außerdem wird Facebook bei rassistischen Hass-Parolen nicht von sich aus aktiv, sondern schreitet erst dann ein, wenn ein Inhalt von Usern beanstandet wird.

Viel zu selten, wie der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke findet. Er hält die von Facebook jetzt vorgestellten Maßnahmen für unzureichend. Solmecke sagt: „Das Netzwerk darf seine Verantwortung nicht auf die Nutzer übertragen.“ Sollte Facebook selbst nicht genug unternehmen, müssten seiner Ansicht nach „rechtliche Schritte“ gegen das Netzwerk eingeleitet werden.

Facebook produziert mit seinen „neuen Maßnahmen“ gegen Hetzer heiße Luft, kommentiert Joachim Dreykluft.

In den „Standards“ von Facebook heißt es: „Wir entfernen explizite Inhalte, wenn sie zum sadistischen Vergnügen oder zum Verehren oder Verherrlichen von Gewalt geteilt werden.“ Außerdem lösche Facebook „sämtliche Hassbotschaften“. Damit sind Inhalte gemeint, durch die Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung direkt angegriffen werden. So weit die Theorie.
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erstellt am 14.Sep.2015 | 19:44 Uhr

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