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Nagars Netzwelt : Facebook-Fotos als leichte Beute

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Bild aus wird aus dem Netz geklaut und für Propaganda missbraucht. Merkt eh keiner – oder?

So ein Bild aus dem Internet ist mit wenigen Klicks gemopst. Meist merkt der Fotograf nicht, dass sein Produkt weiterverwendet wird. Der Porträtierte selbst wird im schlimmsten Fall ungeahnt vorgeführt und verhöhnt. Und selbst wenn jemand den digitalen Diebstahl bemerkt: Schwappt ein Foto durch die Weiten des Webs, ist es nicht mehr zurückzuholen. So geschehen mit einem Bild aus dem Holsteinischen Courier.

Für die Zeitung wurden Syrer abgelichtet, die darauf aufmerksam machen, dass ihr Asylantrag nicht bearbeitet wird, so dass sie ihre Kinder nicht offiziell aus dem Kriegsgebiet holen können. Die Fotos ihrer Kinder zeigen sie auf Smartphones. Das Bild aus Neumünster hat in rechten Foren traurige Berühmtheit erlangt, unter anderem auf den Facebook-Seiten „Aufwachen Deutschland“ und „Was Deutschland bewegt“. Wer weiß, wo sonst noch. Doch nicht die Geschichte der Männer wird dort erzählt, sondern das Bild mit Verachtung kommentiert. Der Spruch, den der Digitaldieb dazu gedichtet hat: „Diese Männer machen sich Sorgen um ihre Kinder? Klar, denn das ,Smartphone’ konnten sie gerade noch retten.“ Die Facebook-Nutzer sehen jetzt, aus dem Zusammenhang gerissen, das Bild und beschimpfen die Flüchtlinge als „feige Amöben.“

Nun haben die Syrer, deren Land gerade ungebremst in Schutt und Asche gelegt wird, andere Sorgen als Onlinegepöbel, doch einfach so stehen lassen muss man das nicht. Oder doch? Denn selbst wenn sie sich bei Facebook beschweren: Das Unternehmen lehnt nahezu alle Bitten, Beleidigungen zu entfernen, ab. „Was Deutschland bewegt“ versprach hingegen, das Bild zu löschen. Ich bin ein Fan der freien Meinungsäußerung, aber das Nachtreten von anonym betriebenen Seiten ist keine Meinung, sondern hinterhältig. Aber es muss – wenn die Seiten-Betreiber es so wollen – geduldet werden. Denn Ethik wird hier nicht durch die Philosophie definiert – sondern durch Facebook.
 

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erstellt am 03.Sep.2015 | 19:45 Uhr

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