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Weicherts Netzwelt : Facebook erkennt Nutzer überall

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gesichtserkennung ist bei der Strafverfolgung und in sozialen Netzwerken weit verbreitet. Das birgt Gefahren, meint Kolumnist Thilo Weichert.

Was waren das noch für Zeiten, in denen wir unsere Fotos in ein Album klebten? Ob wir diese – als Baby oder hoch betagt – jemandem zeigten, hing davon ab, ob wir diesem so weit vertrauten, dass wir Einblick in unser bebildertes Leben gaben. Heute finden sich unsere Bilder oft im Netz – auf Facebook oder in anderen sogenannten sozialen Netzwerken. Vertrauen und Vertraulichkeit war gestern. Im Netz kann sich daran jede Stelle nach Belieben bedienen. Bei Bußgeldbehörden ist die Internetrecherche beliebt, um aus Radarfallen-Bilder Raser zu überführen. Technologisch ist das aber nur der Anfang: Mit Hilfe von allgemein verfügbarer Software kann eine biometrische Gesichtserkennung mit einer hohen Erkennungsrate durchgeführt werden. Dazu werden Templates erstellt, bei denen markante Gesichtsmerkmale wie Augen, Mund und Nase vermessen und individuell als mathematische Formel zugewiesen werden.

Facebook macht sich dies zunutze, indem es namentlich gekennzeichnete Bilder von „Freunden“ mit anderen Bildern abgleicht und Kennzeichnungsvorschläge macht. Was für die Freunde eine Spielerei ist, ist für Facebook geldwerter Ernst: Derart erhält der Portalanbieter eine Lichtbilddatei mit automatisiertem Identifizierungssystem von hunderten Millionen Menschen. Derartiges ist nicht nur für Sicherheitsbehörden, allen voran die US-amerikanische NSA, von Interesse, sondern für Facebook selbst zur weiteren kommerziellen Weiternutzung, etwa im Bereich der Werbung.

Vor diesem Hintergrund hat der hamburgische Datenschutzbeauftragte Facebook für Deutschland die Nutzung der automatischen Gesichtserkennung untersagt. Und nun hat die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder vor biometrischer Gesichtserkennung im Netz öffentlich in einer Entschließung gewarnt. Beim Einstellen von Bildern Dritter ins Internet muss Zurückhaltung geübt werden; eine namentliche Kennzeichnung von Bildern ist nur mit einer expliziten Einwilligung des Betroffenen zulässig.

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