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Nagars Netzwelt : Facebook als Protest-Plattform

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Politische Botschaften von Iranerinnen gehen durch Social Media rund um die Welt.

von
erstellt am 31.Okt.2014 | 05:30 Uhr

Obwohl Facebook ja ach so weltverbindend sein sollte, habe ich fast nur deutsche Seiten abonniert. Eine Ausnahme ist eine Seite aus dem Iran. Ja, genau. Iran. Sie veröffentlicht auf Persisch und Englisch, ihre eigentliche Sprache ist aber die Bildsprache: Frauen aus dem streng islamischen Staat knipsen sich ohne vorgeschriebene Verschleierung. An einsamen Stränden, aber auch auf öffentlichen Plätzen. „My stealthy Freedom“ heißt die Seite, „Meine heimliche Freiheit“. Meist dauert diese nur einen Augenblick, einen Smartphone-Klick lang, bis die Frauen das Kopftuch wieder über die Haare ziehen. Bis Mitte Oktober sah man Unbekannte in die Kamera lächeln. Dazu Sätze, zum Beispiel, dass die Natur der einzige freie Ort sei. Dann kamen erschreckende Bilder hinzu. Unzensiert wurden zerstörte Gesichter gezeigt – der Beschreibung nach von Frauen, die wegen Verstößen gegen die Kleiderordnung mit Säure attackiert wurden. Die Seite der heimlichen Freiheit hat sich vom Zeugnis des dezenten Ungehorsams zur Plattform des Protests gewandelt. Blogs aus dem Exil werden verlinkt, Fotos mit Transparenten hochgeladen. Ob eine Facebook-Seite Mittel der Revolution sein kann, ist fraglich. Sicher ist sie aber Seismograph der Stimmung – und die scheint zu kippen. Denn immer wieder fällt ein Satz: „Die stärkste Säure ist nicht in der Lage, Gedanken wegzuätzen.“

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