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Fietzes Netzwelt : Facebook als Fingerübung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit seiner Klarnamenpflicht kann das soziale Netzwerk Postives bewirken – indem es als Lehrstück dient.

Facebook als digitaler Klettergarten, als Übungsparcours für Medienfitness, als Indoor-Spielplatz für Medienlernende mit Aufsicht und Anleitung. Fast möchte man „danke“ sagen.

Der Grund meiner überzogenen Euphorie? Auch weiterhin, sagte das Hamburger Verwaltungsgericht in dieser Woche vorläufig, darf das größte aller sozialen Netzwerke Klarnamen (also echte Namen) bei der Anmeldung verlangen. Keine Karla Klabauter, kein Fritz Freundlich soll die Like- und Friendslandschaft verunsichern. Nein, ehrlich soll man sein… Das fordert doch heraus, das ermuntert zur nächsten Informatik-Stunde in den 7. Klassen zu erproben, was als Klarname gilt. Und was geschieht, wenn man es aus Facebooks Sicht falsch angeht. Medienkompetenz live und unter Aufsicht der unverzüglich tadelnden Algorithmen, die echte Namen von ausgedachten unterscheiden wollen.

Vielleicht wird man die Kids zum Jagen tragen müssen. Facebook ist schon lange „echt 2010“, also von gestern, wenn man die aktive Nutzung bei Jugendlichen betrachtet. Seit die Patentante eine Freundschaftsanfrage geschickt hat, ist die Jugend weiter gezogen; zu Whatsapp (hält sich überraschend lange), zu Instagram (wird langsam Mainstream), zu Snapchat (wer's glaubt). Also was liegt da näher als zur Erprobung einmal den großen alten Haudegen des Web zu nutzen – als umfunktionierte Industrieruine sozusagen.

Für manche Eltern und Pädagogen gehören Fakeprofile schon lange zum Alltag – nicht zur echten Kommunikation, aber um die Auswirkungen der Privatsphäre-Einstellungen („Freunde von Freunden“ empfiehlt selbst Facebook nicht mehr), die Folgen des eigenen Auskunftsverhaltens („Hobbys: Spät aufstehen“) und die Analyse- und Assoziationsfähigkeit großer Medienanbieter („Woher weiß Facebook, dass ich bald kein Veganer mehr bin?“) zu erproben. So können sie zuhause oder mit Jugendgruppen auch für hippere Web-Angebote die Risikokompetenz schulen. Auch der Offene Kanal Schleswig-Holstein übt: „Karl-Heinz Gametreff“ und „Fisch Auge“ lassen grüßen.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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