zur Navigation springen

Nagars Netzwelt : Facebook als Familienalbum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Polizei warnt Eltern davor, den Nachwuchs weltweit zu präsentieren. Gehören Kinderfotos ins Netz?

von
erstellt am 15.Okt.2015 | 18:46 Uhr

Sie stehen da noch irgendwo im Keller, die dicken Alben mit leicht farbstichigen Bildern hinter überaus klebefreudigen Folien. Ich würde sie einer Handvoll Menschen freiwillig zeigen und ein paar mehr, wenn sie mich lieb darum bitten. Denn es sind meine Kinderbilder darin. Fotos wie ich als Pippi Langstrumpf verkleidet beim Kinderfasching herumtobe. Wie ich mein geliebtes Kuschelschaf im besitzergreifenden Würgegriff mit mir herumtrage, vor unserem himmelblauen Opel Kadett Handstand mache oder im dänischen Sommerurlaub auf riesigen Trampolinen herumhopse. Mit dem Schaf im Würgegriff, versteht sich.

Die große weite Welt muss diese Bilder nicht sehen, auch wenn die wenigsten davon wirklich peinlich sind. (Obwohl: Die Nickipullover waren es schon.) Jedenfalls bin ich froh, dass es in meiner Kindheit noch kein Facebook gab, auf dem meine Eltern diese Fotos routinemäßig öffentlich eingestellt haben.

Entsprechend wichtig finde ich die Bitte der Polizei Hagen, die zurzeit bei Facebook die Runde macht: „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ Dieser Aufruf wurde bei Facebook mehr als 200.000 mal geteilt und millionenfach angesehen.

Doch muss das Netz komplett kinderfrei sein? Wer seinen Freunden bei Facebook oder Instagram unbedingt Fotos vom Nachwuchs zeigen möchte, sollte die Privatsphäre so einstellen, dass nur bestimmte Freunde die Bilder sehen können. Das ist mit ein paar Klicks erledigt, bei Facebook über das Menü Einstellungen und Privatsphäre, bei Instagram kann man das gesamte Profil privat stellen. Wer das nicht tut, sollte auch gleich die Alben mit den eigenen Kinderfotos hervorkramen und die farbstichigen Bilder vom Heulanfall auf dem Kindergeburtstag an ein paar Ampelmasten seines Vertrauens kleben. Weltweit. Und nicht wieder abhängen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen