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Christiansens Netzwelt : Experiment mit USB-Sticks: Edle Absichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einen gefundenen USB-Stick sollte man nicht an den Rechner anschließen – das sieht aber nicht jeder so.

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 18:45 Uhr

Der Glaube an das Gute ist eine schöne Sache. Vielleicht ist er heute wichtiger denn je, in einer Welt, in der man sich anscheinend nicht mehr unbedarft an den Möglichkeiten neuer Technologien erfreuen darf: Sich per Social Media global vernetzen, Inhalte posten, liken und teilen – klasse, aber diese ganze Datensammelei... Sich per Onlinesuche über gesunde Ernährung oder Krankheiten schlau machen – hilfreich, aber was, wenn die Krankenkasse unsere Suchanfragen in die Finger kriegt und ihre Schlüsse (oder gar Konsequenzen) daraus zieht? Sich mit dem Telefon Rechnungen vorknöpfen und von überall ganz simpel Geld hin und her überweisen – praktisch, aber was, wenn Hacker unsere Zahlungsdaten abgreifen? Irgendwie bleibt stets ein fader Beigeschmack. Vielleicht ein kulturell bedingtes, deutsches Phänomen, allen Glanz neuer Chancen durch Bedenken verschmieren zu wollen.

Wie unvoreingenommen – ich tendiere (vielleicht kulturell bedingt) zu dem Begriff „leichtfertig“ – amerikanische Studenten mit digitalen Dingen umzugehen scheinen, zeigt ein Experiment auf dem Campus der Universität in Illinois. 297 USB-Sticks wurden auf dem Hochschulgelände ausgelegt, fast alle Köder (98 Prozent) wurden von vorbeilaufenden Menschen eingesammelt. 48 Prozent der Datenträger wurden nicht nur mitgenommen, sondern auch angeschlossen, und bei 45 Prozent aller Sticks wurden darauf gespeicherte Dateien sogar geöffnet. Ergebnis also: Neugier schlägt Vorsicht. Doch nur 18 Prozent der unfreiwilligen Testpersonen gaben Neugier als Grund für ihre Risikobereitschaft an. Mehr als die Hälfte der Testpersonen (68 Prozent) hingegen wollen die Datenträger aus edlen Gründen angeschlossen haben: Die Finder wollten nachsehen, ob sich über die gespeicherten Daten auf den Besitzer schließen lässt – um sie ihm wieder zukommen zu lassen natürlich. Dass auf einem USB-Stick aber nicht immer nur Nettes, sondern im schlechtesten Fall auch Schadsoftware zu finden ist, war vielen offenbar nicht klar oder nicht wichtig (86 Prozent gaben an, keine Sicherheitsbedenken gehabt zu haben).

Die Idee des edlen Finders, der seine digitale Unversehrtheit für die gute Sache aufs Spiel setzt, ist zwar in gewisser Weise romantisch – und wer freut sich nicht, wenn er seine verlorenen Daten wiederbekommt. Klug aber ist sie nicht.

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