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Vorbild Skype : Estland – ein Hort für Start-ups

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt kaum ein Land, in dem die Bedingungen für junge Gründer aus der Tech-Szene so gut sind wie in Estland. Eine wichtige Rolle spielt dabei noch immer der Internetdienst Skype.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2016 | 19:03 Uhr

Der Baltenstaat Estland positioniert sich immer stärker als Heimat junger Start-ups – auch dank des Erfolgs des Internet-Telefondiensts Skype vor mehr als zehn Jahren. „Wir hatten Glück, dass Skype in Estland erfunden wurde“, sagte der Fintech-Unternehmer Taavet Hinrikus. Der Erfolg von Skype, das 2011 für 8,5 Milliarden US-Dollar von Microsoft übernommen wurde, habe ein positives Umfeld für Firmengründungen geschaffen und Start-ups in Estland gesellschaftlich legitimiert. 2003 hatte Skype die erste öffentlich verfügbare Version seiner heute von mehr als 300 Millionen Menschen aktiv genutzten Software ins Netz gestellt. Auf den Markt gebracht wurde sie von den zwei skandinavischen Firmengründern Niklas Zennström und Janus Friis. Technisch standen hinter der Telefonrevolution aber drei Programmierer aus Estland.

In ihrer Heimat gelten sie als Volkshelden – und sind Vorbild für die blühende Start-up-Szene in dem kleinen EU- und Nato-Mitgliedsland im Nordosten Europas. Nach Angaben der staatlichen Agentur „Startup Estonia“ gibt es in der Ostseerepublik mit 1,3 Millionen Einwohnern derzeit gut 400 Start-ups – das ist eine der größten Start-up-Dichten in Europa. Sie beschäftigen insgesamt rund 2300 Mitarbeiter und haben 2015 mehr als 20 Millionen Euro an Beschäftigungsabgaben in den estnischen Staatshaushalt fließen lassen. „Nachdem Skype entwickelt wurde, weiß jeder, dass man am Rande von Tallinn in einem alten sowjetischen Forschungsinstitut ein Stück Software entwickeln kann, das die Art und Weise verändert, wie wir alle kommunizieren“, meint Hinrikus. Dies sei „inspirierend“ für viele Gründer.

Für Estlands Ex-Präsident Toomas Hendrik Ilves, der während seiner Amtszeit die Förderung junger estnischer Unternehmen zur Chefsache machte, hat der Erfolg von Skype eine soziologische Bedeutung. Dass Esten die Technologie entwickelt hätten, habe sich positiv auf das Selbstbewusstsein der Nation ausgewirkt und junge Leute dazu motiviert, eine Karriere im IT-Sektor einzuschlagen. Viele estnische Start-ups haben eine Verbindung zu Skype oder Mitarbeiter, die früher dort tätig waren. Darunter ist etwa auch Starship Technologies der beiden Skype-Mitgründer Ahti Heinla und Janus Friis, deren Lieferroboter kürzlich in Pilotversuchen in Deutschland getestet wurden.

„Estland hat vor allem das, was man wirklich für Innovation braucht“, meint der renommierte Wagniskapitalgeber Ben Horowitz, der einst Millionen in Skype und auch das auf günstigere Auslandsüberweisungen spezialisierte Start-up Transferwise investiert hat. Dazu gehörten neben Mentalität und Erfolgswillen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das regulatorische Umfeld. Wie kaum ein anderes Land in der EU hat sich der nördlichste der drei Baltenstaaten dem digitalen Wandel verschrieben – in internationalen Rankings gehört Estland regelmäßig zu den führenden Ländern im E-Government. Der Zugang zum Internet gilt als Grundrecht, schon Erstklässler lernen in der Schule Programmieren. Auch sonst ist fast alles online regelbar – Laptop oder Mobiltelefon reichen aus.

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