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Dreyklufts Netzwelt : Es kommt, das Internet der Dinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Haushaltsgeräte werden vernetzt: Dieser Trend setzt sich durch, bringt aber neue Sicherheitsprobleme, meint unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

Früher hatte ich ein Problem: Ich verlegte ständig meine TV-Fernbedienung. Heute greife ich zum Smartphone und steuere den Fernseher per App über das WLAN. Früher suchte ich die CD mit dem Künstler, den ich hören wollte. Heute streame ich Musik aus dem Internet und höre per Lautsprecher, der per Bluetooth angeschlossen ist.

Irgendetwas scheint also dran zu sein an diesem „Internet der Dinge“, über das gerade alle reden, auch auf der IFA. Bei mir ist er jedenfalls angekommen, dieser Trend, nicht nur Computer miteinander zu vernetzen, sondern Alltagsgegenstände.

Demnächst koche ich wohl per App Kaffee, werde vom Kühlschrank darauf hingewiesen, wenn er leer ist. Und erfahre per Internet in Echtzeit, dass ich einen Einbrecher im Haus habe. Die Zukunftsvision: Der Wecker sagt der Kaffeemaschine, dass ich aufwache, der Spiegel im Bad weist mich darauf hin, dass ich mich rasieren sollte. Und meine Steckdose ermahnt mich, wenn ich Energie verschwende und stellt automatisch den Geschirrspüler in den Eco-Modus.

Das Internet der Dinge greift wesentlich mehr in unsere Privat- und Intimsphäre ein als das Internet der mobilen Endgeräte. Es wird spannend, was sich durchsetzt: Eine Variante, die maximalen Komfort ermöglicht und in dem viele Dienste scheinbar sehr günstig oder kostenlos sein werden, die ich aber in Wirklichkeit mit meinen privaten Daten zahle? Oder ein Internet der Dinge, bei dem die Hersteller mir nachvollziehbar Datenschutz versprechen, das aber Komforteinbußen hat und kaum Kostenloses? An dieser Stelle haben wir Verbraucher große Macht.

Noch einen Schritt weiter geht die Künstlerin Miranda July: Sie hat eine App erfunden, mit der ich nicht Dinge, sondern andere Menschen per Internet dazu bringen kann, mir zu Diensten zu sein, Mit ihrer den aktuellen Trend überspitzenden App „Somebody“ (somebodyapp.com) kann ich einen Fremden dazu bringen, etwas zu sagen, das ich selbst nicht zu sagen vermag, etwa: „Ich liebe dich nicht mehr, ich möchte dich verlassen.“ Das Datenschutzproblem ist offensichtlich – aber kaum zu vermeiden.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 04:00 Uhr

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