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Software gegen Rachepornos : Es ist offiziell: Facebook kann zaubern

vom
Aus der Onlineredaktion

Facebook will mit Software gegen Rachepornos vorgehen. Das ist gut, verwundert aber ein bisschen.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 13:00 Uhr

Menlo Park | Facebook verschärft das Vorgehen gegen das Teilen intimer Fotos ohne Zustimmung, sogenannter Rachepornos. Bilder, die von betroffenen Nutzern gemeldet werden, sollen mit einer Software erfasst werden, damit sie nicht mehr weiterverbreitet werden können, kündigte das Netzwerk am Mittwoch an.

Im Netz verbreiten sich Inhalte, die Persönlichkeitsrechte verletzen, rasend schnell. Dabei handelt es sich nicht nur um Rachepornos, sondern beispielsweise auch um Fotomontagen, die Nutzer diffamieren. Effektiv gegen sie vorzugehen, ist für den einzelnen Nutzer kaum möglich.

Das Phänomen „Revenge Porn“ bekam seinen Namen, weil die intimen Bilder oft als Rache von früheren Partnern veröffentlicht werden. Ein solches Foto kann über einen Button gemeldet werden. Dann erstellt eine Bilderkennungs-Software eine Art „digitalen Fingerabdruck“ davon, damit spätere Versuche, es zu teilen, unterbunden werden.

Die Hinweise der Betroffenen werden laut Facebook von „speziell ausgebildeten“ Prüfern „mit Priorität“ ausgewertet. Die Profile, die bei „Revenge Porn“ erwischt werden, würden „in den meisten Fällen“ blockiert, ihre Besitzer könnten das aber anfechten.

Diese Neuerung könnte Nutzern helfen, sich gegen Verletzungen ihrer Privat- und Intimsphäre zu wehren. Ein Schritt in die richtige Richtung, den Facebook da macht. Er verwundert trotzdem. Denn Anfang Februar stritt ein Anwalt des US-Konzerns ab, dass es Facebook technisch möglich sei, Bilder automatisiert herauszufiltern, die – eventuell leicht verändert – gepostet wurden. Man verfüge nicht über eine solche „Wundermaschine“. Diese Aussage fiel vor Gericht. In Würzburg verhandelte das Landgericht den Fall des syrischen Flüchtlings Anas M. Er war Opfer einer Verleumdungskampagne in den Sphären des sozialen Netwerks geworden. Nutzer hatten ihn als Terrorist und Obdachlosen-Mörder verunglimpft. Die Fotos und Beiträge wurden hundertfach geteilt.

Das Gericht entschied in diesem Fall zwar zugunsten von Facebook. Doch der Richter hatte auch deutlich gemacht: Es bestehe durchaus grundsätzlich die Pflicht von Facebook entsprechende Beiträge zu suchen und zu löschen, wenn die Posts das Persönlichkeitsrecht schwer verletzen und „wenn es technisch ohne großen Aufwand realisierbar ist“.

Anscheinend verfügt man nun über die besagte „Wundermaschine“, mit der nicht nur nach Rachepornos gefahndet werden kann, sondern auch andere Inhalte identifiziert werden können, die die Privatsphäre der Nutzer verletzen. Die neue Software sei jedenfalls auch gut darin, die Fotos immer noch zu erkennen, wenn sie abgeändert worden seien, sagte Davis. Nutzer wie Anas M. wären sicher dankbar.

Doch auch mit den jetzt vorgestellten Möglichkeiten zur Löschung von „Revenge Porn“ stellt Facebook klar: Nach bereits möglicherweise weiterverbreiteten Bildern wird nicht gesucht, sie müssen nach wie vor von den Nutzern gemeldet werden.

Das Vorgehen gegen Rachepornos jedenfalls werde übergreifend nicht nur für Facebook, sondern auch für die Foto-Plattform Instagram und den Kurzmitteilungsdienst Messenger gelten, sagte die zuständige Facebook-Managerin Antigone Davis. Der ebenfalls zu Facebook gehörende Messaging-Dienst WhatsApp bleibt vorerst außen vor, man werde es aber für die Zukunft prüfen.

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