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Kommentar zur Hetze bei Facebook : Es fehlt an Haltung, Facebook

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Netzwerk tut sich schwer, gegen ausländerfeindliche Hetzer vorzugehen. Dabei wäre ein klares Signal sehr effektiv, kommentiert Joachim Dreykluft.

von
erstellt am 27.Aug.2015 | 17:52 Uhr

Das Internet-Netzwerk Facebook geht rabiat gegen jede blanke Brust vor – und lässt gleichzeitig rechtsradikalem Hass freien Lauf. So lassen sich die Vorwürfe zusammenfassen, die gerade erhoben werden. Bundesjustizminister Heiko Maas ist besorgt und bittet zum Gespräch. Das ist zumindest ein Signal, dass er gemerkt hat, dass hier etwas schiefläuft.

Skurril wirkt, wenn Facebook gegen „Nacktheit“ vorgeht: „Wir entfernen Fotos, auf denen vollständig entblößte Pobacken zu sehen sind“, heißt es in den „Gemeinschaftsstandards“. Bei weiblichen Brüsten ist die  Brustwarze das entscheidende Kriterium. Auf den aufgeklärten Mitteleuropäer wirkt das lächerlich.

Dagegen wird unbeanstandet massiv gegen Flüchtlinge gehetzt: „es sind illegale grenzverletzer also schiess befehl und ruhe ist“. Oder: „Die sollen alle in viehtransporter wieder in sürien und aphganistan abgeladen werden“. Ein Facebook-Nutzer aus Neumünster forderte ein „Erstaufnahme Lager am besten gleich mit Bahnanbindung“ und illustrierte das mit einem Bild von Gleisen in Auschwitz. Ekelhaft.

Facebook kann und muss gegen diese Äußerungen vorgehen. Eine Sprecherin räumte jüngst auch unumwunden ein, es habe Fehler gegeben. Der Fehler liegt aber im System. Facebook entstammt einem Kulturkreis, in dem eine Brustwarze als Porno und ein Hakenkreuz als  freie Meinungsäußerung gilt. In den Gemeinschaftsstands heißt es, Facebook entferne „Hassbotschaften“, wenn Personen etwa wegen Rasse, Herkunft oder Religion „direkt“ angegriffen werden. Allgemein das Erschießen oder Vergasen von Menschen zu fordern, fällt wohl nicht darunter.

Der Schauspieler Til Schweiger macht gerade einen klasse Job mit seiner klaren Haltung gegen solche Meinungen und Stimmungen. Die TV-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die sonst nicht fürs Moralisieren bekannt sind, beschimpfen die Hetzer öffentlich per Youtube-Video: „Entfreundet uns bei Facebook“, lautet die klare Botschaft.

Eine solche Haltung auch von Facebook selbst wäre ein sehr effektives Signal. „Wir wollen euch hier nicht haben! Meldet euch ab, bevor wir euch rauswerfen!“. Es gehört auch zur US-Kultur, dass Unternehmen politische Statements meiden. Aber es geht hier nicht um Politik. Es geht um Haltung und Anstand.

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