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Müllers Netzwelt : Enttäuschte Internetnutzer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lange ist beim Breitbandausbau etwas verschlafen worden. Wie es besser werden soll, sagen nur wenige Parteien.

Die Wahl ist gelaufen. Einige Parteien lecken sich die Wunden, andere strotzen vor Glück, weil sie die enttäuschten Wähler bei sich versammeln konnten.
Doch was hat der Breitbandmarkt eigentlich mit dem Erstarken der Populisten zu tun? Ganz einfach: Deutschland befindet sich nach wie vor im Breitbandmarktranking im unteren Mittelfeld. Insbesondere der ländliche Raum wurde jahrelang vernachlässigt. Ob es sich um eine miserable Mobilfunkabdeckung oder um langsame Festnetze handelt.  Selbst in Großstädten gibt es Bereiche mit maximal 16 Mbit/s.

Lange Zeit ist hier etwas verschlafen worden. So wurden Mobilfunkfrequenzen mit Auflagen vergeben, den ländlichen Raum zu versorgen. Doch die Realität zeigt sich, wenn man durch Schleswig-Holstein fährt. Kaum ein Telefonat kann ohne Unterbrechung geführt werden. Teilweise noch nicht einmal auf der Autobahn. Das ist einem High-Tech-Land definitiv nicht würdig.

Immerhin tut sich in Schleswig-Holstein etwas im Glasfaserausbau. Durch mutige alternative Netzbetreiber entstehen nun in vielen Ecken des Landes echte Gigabitanschlüsse. Diese wurden auch durch die hiesigen Landesregierungen gestärkt, die frühzeitig auf ein Infrastrukturziel gesetzt haben. Gerade auch im ländlichen Raum.

Aber schauen wir mal in die anderen Bundesländer. Bei unserem östlichen Nachbarn gehen erst jetzt die ersten Glasfaserprojekte in die Realisierung. Nicht dass das Thema neu wäre, man kann aber behaupten, dass zu lange darauf gesetzt wurde, dass es die Telekom schon irgendwie richten würde. Leider ist das ausgeblieben. In echte Glasfasernetze haben in der Regel ausschließlich die Wettbewerber investiert. Nun sollen es die Fördermittel richten. Leider sind die Regeln zum Abruf dieser Fördermittel so kompliziert, dass sich die Verfahren extrem in die Länge ziehen und oftmals dann auch noch in die Ertüchtigung beziehungsweise den Erhalt der alten Kupfernetze fließen. Das führt erst zu Enttäuschung und dann zu Wut.

Aber nun soll ja alles besser werden. Wie es besser werden soll, sagen jedoch nur wenige Parteien. Und die Populisten sagen dazu am aller wenigsten. Gewundert hat mich das allerdings nicht.

> Dirk Müller ist Breitbandexperte aus SH.
 

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