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Nagars Netzwelt : Ende der Freiheit, bequem zu sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Vorratsdatenspeicherung soll Sicherheit bringen, doch darf man dafür die Freiheit opfern?

von
erstellt am 17.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Ein Szenario: Ich ziehe eine Nummer, bevor ich mein Haus verlasse, notiere die Uhrzeit und schreibe auf, wie lange ich unterwegs bin. Diese Zettel werden dann gesammelt und müssen zehn Wochen lang abrufbar sein – für den Fall, dass ich Blödsinn mache. Nicht Falschparken, sondern schlimmen Blödsinn. Im Netz soll das bald Realität werden, Vorratsdatenspeicherung heißt das dann. Die IP-Adresse, mit der man sich durchs Internet klickt, wird dann nach Plänen der Großen Koalition vom Telekommunikationsunternehmen aufbewahrt. Und herausgegeben, wenn sich der Verdacht eines schweren Verbrechens ergibt. Die Seiten, die ich aufrufe, und Mails werden nicht gespeichert, aber es wäre Experten zufolge technisch möglich zu schauen, ob ich mir Katzenvideos reingezogen oder mich über Sprengstoff informiert habe. Oder über Depressionen. Zusätzlich werden Standortdaten des Handys gespeichert und die Dauer der Gespräche. Im Namen der Sicherheit wird die Freiheit geopfert.

Ein weiteres Szenario: Jemand, der tatsächlich vorhat, ein Verbrechen zu begehen, geht aus dem Haus – und zieht diesen Zettel ganz einfach nicht. Wer im Netz anonym bleiben möchte, surft zum Beispiel mit dem sogenannten Tor-Netzwerk abseits der Überwachung. Das ist zwar langsamer und man muss sich ein wenig damit beschäftigen, ein kostenloser Download und Anleitungen machen eine Anonymisierung aber für jeden möglich. Internetnutzer aus Diktaturen könnten hier beraten. Allein: Ich werde wohl weiterhin zu faul sein, mit Tor zu surfen und schätze, dass es den meisten ähnlich geht. Zumindest jenen Millionen, die nicht vorhaben, ein Verbrechen zu begehen. Dennoch sind es deren Daten, die gesammelt werden, denn die wahren Verbrecher surfen ja gern mit Tarnkappe. Oder sollte ich doch meine Bequemlichkeit opfern im Namen der Freiheit?

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