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Neues Soziales Netzwerk : Ello – soziale Revolution für Schöngeister?

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Es gibt sich als Anti-Facebook – das vielgepriesene Soziale Netzwerk Ello. Seinen ersten großen Hacker-Angriff hat es bereits hinter sich.

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erstellt am 30.Sep.2014 | 12:31 Uhr

San Francisco | „Dein Soziales Netzwerk ist im Besitz von Werbetreibenden“, so öffnet das Manifest von Ello, dem neuen großen Ding in punkto interaktive Vernetzung. Mit einer Prise Pathos und bemüht minimalistischem Design richtet sich Ello direkt an die Generation „Facebook ist eigentlich Mist“.
Path, Diaspora, Google+. Alle Jahre wieder hofft eine neue Alternative, es mit der Allmacht aufnehmen zu können, deren User trotz Datenfraß, Werbeoffensive und Candy-Crush-Anfragen offenbar nicht ohne können. Zuletzt hatte Facebook über 1,3 Milliarden aktive Nutzer. Bei Diaspora waren es rund 23.000.

Bei Ello gibt man sich exklusiv. Dort kann man sich zur Stunde nur mit einer Einladung anmelden. Aktuell bekomme Ello stündlich rund 30.000 Registrierungs-Anfragen, sagte Gründer und Chef Paul Budnitz US-Medien. Geschäftstüchtige Nutzer bieten Einladungen für rund fünf Euro auf Ebay an.

Inzwischen hat Ello seinen ersten großen Hacker-Angriff überstanden. In der Nacht zum Montag wurde das Netzwerk für einige Stunden mit einer sogenannten DDOS-Attacke lahmgelegt. Dabei werden die Server mit sinnlosen Anfragen überhäuft, bis sie in die Knie gehen – eine Aufmerksamkeit, die sonst eher größeren Diensten zuteil wird.

Doch was macht den Reiz von Ello aus? „Du bist kein Produkt“, verspricht Budnitz seinen Kunden in Anspielung auf das Geschäftsmodell von Facebook. Das heißt, bei Ello soll es auf jeden Fall keine Werbung auf Grundlage von Nutzer-Daten geben. Auch der Nutzerkreis soll ein anderer sein.

Ello ist grau, Ello ist geometrisch. Ello ist für Schöngeister und Designer, Künstler und Hipster – und solche, die es gern wären. Mit wenigen Features und viel Vintage-Filter sind die ersten Nutzer-Profile, die das Netzwerk auf seiner Sartseite anpreist, bestückt – keine kitschigen Bilder mit albernen Sprüchen, keine Horrorvideos der veganen Freunde, dafür Schönes und Allzuschönes.

Dabei bleibt nicht nur unklar, wie viele Nutzer Ello jetzt eigentlich hat, sondern auch, wie sich das neue Online-Netzwerk nun eigentlich finanzieren will. Bisher wurde nur eine kleine Gebühr für die Freischaltung einiger Zusatzfunktionen ins Gespräch gebracht. Dies dürfte aber kaum ausreichen, um die Kosten zu decken.

Zudem kam mit der Medien-Aufmerksamkeit auch eine zuvor nicht beachtete Investition wieder ans an Licht, die die Ello-Gründer in ihren Ankündigungen unerwähnt ließen. Der Risikokapitalgeber FreshTracks steckte 435.000 Dollar in das Netzwerk. Für notorische Skeptiker wie den britischen Online-Aktivisten Aral Balkan ist das ein Alarmsignal. Das Geschäftsmodell dieser Investoren sei, ihren Einsatz nach Möglichkeit zu vervielfachen, betonte er in einem Blogeintrag. „Wenn sie Risikokapital aufnehmen, geht es nicht mehr darum, ob sie vorhaben, ihre Nutzer zu verkaufen - sie haben es damit bereits getan“, kritisierte Balkan.

Mit dpa

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