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International Games Week : Eklat bei Computerspielpreis: Gewinner lehnen Preis ab

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Gamesbranche feiert sich beim Computerspielpreis - doch nicht alle machen mit. Wurde die Abstimmung manipuliert?

Berlin | Das Abenteuerspiel „Portal Knights“ für Spielekonsolen aus der Entwickler-Schmiede Keen Games in Frankfurt am Main ist am Mittwochabend als bestes deutsches Spiel des Jahres ausgezeichnet worden. Die Macher des Videospiels, in dem man als Zauberer durch ein magisches Tor in abenteuerliche Welten gelangt und gegen das Böse kämpft, bekommen ein Preisgeld von 110.000 Euro.

So sieht das beste deutsche Spiel „Portal Knights“ aus:

Die International Games Week ist eine der wichtigsten Veranstaltungen der Computerspiele-Branche. Sie richtet sich sowohl an Spieler als auch an Entwickler.

Der Preis wurde den Siegern von Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Veranstaltung im Rahmen der International Games Week in Berlin übergeben. „Der Deutsche Computerspielpreis 2017 ist ein Preis der Rekorde - mit mehr Preisgeld, mehr Einreichungen und mehr Innovationen als je zuvor“, sagte Dobrindt.

Die Preisgeld-Erhöhung ist durch das Aufstocken des Anteils des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur möglich geworden. Erstmals werden insgesamt 550.000 Euro vergeben (470.000 Euro im Vorjahr). „Und wir wollen den Computerspielpreis in die Liga der großen Medienpreise bringen“, sagte Dobrindt. Denn 42 Prozent der Menschen in Deutschland spielten. „Unsere Spieleentwickler zeigen, dass sie ein wichtiger Treiber für innovative Technologien sind“, so der Minister.

Dabei werde deutlich, was Technologien zum Durchbruch verhelfe: „Kreativität, Innovationskraft und vor allem auch Spaß.“ Aus der Branche kämen die „Pioniere für den Sprung in die Gigabit-Gesellschaft“. „Deutschland braucht eine starke Games-Branche.“

Eklat überschattet Verleihung

Doch an dem Abend gab es nicht nur Lob und Glamour - ein Eklat überschattete die Verleihung: Die Entwickler der Firma Mimimi Productions aus München weigerten sich am Mittwochabend kommentarlos, ihre mit 40.000 Euro dotierte Auszeichnung in Empfang zu nehmen.

 

Gamedesigner Dominik Abé lehnte auf der Bühne die Annahme des Preises mit einem kurzen Satz und ohne weitere Begründung ab. Auch am Donnerstag gab es zunächst aus der Entwicklerschmiede keine weitere Erklärung. Das Spiel „Shadow Tactics: Blades of the Shogun“ war zuvor in zwei Kategorien nominiert, für das beste Gamedesign, wofür nun das Preisgeld winkte, jedoch auch für das beste deutsche Spiel:

Hintergrund des überraschenden Auftritts dürften Unstimmigkeiten in der Hauptjury gewesen sein. Schon im Vorfeld der Preisverleihung seien „Gerüchte ins Kraut“ geschossen über angebliche Manipulationen oder gar Betrug bei der Stimmabgabe, schreibt die Journalistin und Jury-Mitglied Petra Fröhlich auf ihrem Blog „GamesWirtschaft“. Wie Fröhlich ausführt, greifen die Vorwürfe jedoch weitgehend ins Leere.

Befeuert worden seien sie durch eine vermeintlich vertrauliche Mail des mitveranstaltenden Game Bundesverbands, die an mehrere Medien ging.

Auch am Donnerstag gab es zunächst weder vom Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware (BIU) noch vom Game Bundesverband, beide Ausrichter des Spielepreises, eine erklärende Stellungnahme dazu. Auch Mimimi Productions klärte die Lage nicht näher auf. „Der Vorgang hinterlässt eine gewisse Ratlosigkeit und viel zerschlagenes Porzellan“, resümiert Fröhlich. Die Verhandlungen über eine Fortführung des Computerspielpreises stünden damit unter keinem guten Stern. Die Journalistin war Mitglied in der Fachjury, die die Kategorie Bestes Gamedesign betreute, sowie Teil der 25-köpfigen Hauptjury.

Weitere Preisträger:

Hessen ist unter den Preisträgern insgesamt drei Mal vertreten. Aus Kassel stammt das beste Kinderspiel „She Remembered Caterpillars“ von Jumpsuit Entertainment.

Als beste Inszenierung wurde „Robinson: The Journey“ des bekannten Frankfurter Spieleentwicklers Crytek ausgezeichnet. Der Spieler strandet in dem Virtual-Reality-Spiel auf einem Planeten mit noch lebenden Dinosauriern und muss einen Ausweg finden.

Auch drei Nachwuchskonzepte wurden geehrt, den ersten und dritten Preis bekamen Entwicklungen aus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, der zweite erhielt ein Konzept von Studenten an der TH Köln.

Als bestes internationales Spiel wählte die Jury den Titel „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ von Nintendo.

„Uncharted 4: A Thief's End“ von Naughty Dog und Sony Interactive Entertainment bekam den undotierten Preis „Beste internationale neue Spielewelt“.

Das Computerspielemuseum in Berlin wurde mit einem Sonderpreis geehrt.

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erstellt am 27.Apr.2017 | 10:51 Uhr

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