zur Navigation springen

Falschgeld, Drogen und Waffen im Darknet : Eine neue Bedrohung: Das dunkle Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Kieler Landeskriminalamt warnt: Immer mehr Kriminelle nutzen den digitalen Untergrund.

Kiel | Jugendliche, die sich Falschgeld im Internet bestellen – das ist nicht die einzige Form der Kriminalität, die sich in den virtuellen Raum verlagert hat. „Betrug, Drogen- und Waffenhandel, alles läuft zunehmend übers Internet“, warnte Thorsten Kramer, Direktor des Landeskriminalamts (LKA), diese Woche beim ersten landesweiten Forum zur IT-Sicherheit in der Kieler Industrie- und Handelskammer (IHK).

Der Grund dafür ist das hohe Maß an Anonymität, die das Internet bietet, wenn man dessen finstere Seite nutzt, das Darknet. Auch das „Dunkle Netz“ funktioniert weltumspannend, nur haben normale Suchmaschinen keinen Zugang dazu. Es existiert im Verborgenen. Wenn das Internet eine glitzernde Metropole ist, dann ist das Darknet sein Rotlichtviertel, sein Ghetto.

Der Weg hinein führt über spezielle Anonymisierungsdienste wie das Tor-Netzwerk. Auf dem Computer muss dazu der Tor-Browser installiert werden. In Verzeichnissen wie „HiddenWiki“ finden sich dann zahlreiche illegale Angebote, eingestellt von Kriminellen jeder Couleur: Sie bieten gestohlene Kreditkarten und gehackte PayPal-Zugänge an, Raubkopien und Kinderpornografie. LKA-Sprecher Stefan Jung „Das Falschgeld wird auf Verkaufsplattformen neben Waffen und Rauschgift vertrieben.“

Ein beliebtes Produkt ist außerdem Software, mit deren Hilfe sich IT-Systeme lahmlegen oder Daten klauen lassen. Bezahlt wird in den meisten Fällen mit Bitcoins, einer digitalen Währung, die maximale Anonymität verspricht. Erschreckend: Das Datenvolumen des Darknet übertrifft nach Ansicht von IT-Experten den des sichtbaren Internets um das 300- bis 500-fache.

Darknet-Betreiber betonen stets, dass es Staaten gibt, in denen die Meinungsfreiheit als Bedrohung gesehen wird. In solchen „Zensur-Ländern“ helfe die Anonymität Bürgerrechtlern und Journalisten, Informationen geschützt auszutauschen. Das stimmt, doch offenbar überwiegen im Darknet längst die illegalen Aktivitäten.

Das Landeskriminalamt hat vor zwei Jahren die Abteilung Cybercrime eingerichtet, um der wachsenden Internet-Kriminalität zu begegnen. „Trotz der Verschlüsselung und Anonymisierung sind Händler und Käufer illegaler Güter nicht vor Strafverfolgung sicher“, sagt LKA-Sprecher Jung. „Auch im Nachhinein müssen die Täter mit ihrer Entdeckung rechnen.“

So ließ das Bundeskriminalamt am Mittwoch deutschlandweit Wohnungen durchsuchen – wegen des Erwerbs von Falschgeld im Darknet. Auf die Spur gekommen war man den Käufern hier offenbar durch Ermittlungen rund um die Produzenten in Italien.

Ermittlern ist es aber offenbar auch schon gelungen, das Tor-Netzwerk und damit das Darknet zu kompromittieren. Im November 2014 gab es weltweit 17 Festnahmen, nachdem FBI und Europol zahlreiche Betreiber von Darknet-Seiten deanonymisiert hatten. Wie ihre Identität aufgedeckt worden ist, darüber schweigen die Ermittler noch heute. Server wurden abgeschaltet und zahlreiche Schwarzmarktseiten, darunter der Drogenhandelsplatz Silk Road 2.0, gesperrt. In Deutschland sind 121 Wohnungen durchsucht worden. Ziel waren die Uploader des illegalen Downloadportals boerse.bz.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Nov.2015 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen