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Müllers Netzwelt : Eine halbvolle Tüte Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum ein Kunde kennt die tatsächliche Leistung seines Telekommunikationsanbieters.

Stellen Sie sich einmal vor: Sie kaufen ein Pfund Kaffee und stellen zu Hause fest, dass die Tüte nur halb voll ist. Darauf steht ja auch „bis zu“ 500 Gramm. Das hatten Sie überlesen. Kann ja mal vorkommen. Wahrscheinlich würden Sie das nicht akzeptieren, die Tüte zurück bringen und einen Anbieter wählen, bei dem auch wirklich 500 Gramm Kaffee in der Tüte ist.
Komplizierter ist dies auf dem Telekommunikationsmarkt. Die meisten Anbieter werben mit „bis zu“ und sind nicht verpflichtet zu sagen, wieviel sie denn im Minimum liefern werden. Sie als Kunde können nur schwer herausfinden, wieviel eigentlich in Ihrem Anschluss steckt.

Wahrscheinlich haben Sie gar keine Lust, ihrem Anbieter ständig auf die Finger zu schauen. Den Anschluss wieder „zurück zu bringen“ ist so einfach auch nicht. Ein Wechselprozess im Telekommunikationsmarkt macht nicht immer Spaß und zusätzlich hat der Anbieter seitenlange Allgemeine Geschäftsbedingungen und Leistungsbeschreibungen zur Hand. So gibt es Anbieter von Funknetzen, die zwar mit „bis zu“ 100 Mbit/s werben, in der Leistungsbeschreibung aber nur 14,4 kbit/s garantieren und sogar auf unabhängige Dritte verweisen, die eine mittlere Datenübertragungsrate von weit weniger als 2 Mbit/s bestätigen.

Abhilfe soll die Transparenzverordnung schaffen, die voraussichtlich Ende des Jahres eingeführt wird. Die Anbieter werden verpflichtet, in Form eines Produktblattes unter anderem Angaben über die minimale Datenübertragungsrate zu machen. Die Anbieter von echten Glasfaseranschlüssen dürfte dies freuen. Gegenüber „shared medien“ wie Funk- und Kabel-TV-Netzen sowie den störanfälligeren DSL-Netzen sind sie klar im Vorteil. Das letzte Wort hat jedoch der Kunde, ob ihm die garantierten Datenübertragungsraten ausreichend sind. Meist hat er ja nur die Auswahl zwischen mehreren „bis zu“ Netzen.

> Dirk Müller ist Experte für Breitbandausbau in SH.

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