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Dreyklufts Netzwelt : Eine Elite gegen Google

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kampf gegen den US-Konzern wird von einer deutschen konservativen Avantgarde angeführt, schreibt unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

Deutschland spaltet sich in zwei Teile: eine konservativ-elitäre Avantgarde (darunter die Redaktion des „FAZ“-Feuilletons) und eine Google-hörige Masse (darunter wohl ich).

Was ist passiert? 95 Prozent der Deutschen benutzen Google als Suchmaschine. Das ist im internationalen Vergleich viel (USA: 67 Prozent). Außerdem benutzen fast 80 Prozent der Deutschen, die ein Smartphone besitzen, eines mit dem Google-System Android. Auch das ist viel im internationalen Vergleich (USA: 62 Prozent).

Kurz gesagt: Die Deutschen lieben Google zwar nicht. Aber sie nutzen es wie kaum ein anderes Volk auf der Welt. Weil sie faul sind und sich nicht um ihren Datenschutz scheren, mögen die Kritiker sagen. Weil Google Dienste anbietet, die einem das Gefühl geben, bei hnen gut aufgehoben zu sein, könnte man dem entgegen halten. Und wohl auch, weil Deutsche gerne Schnäppchenjäger sind („Aldi-Prinzip“).

Aber : In kaum einem anderen Land hat sich eine konservative Elite so sehr in Google verbissen, in einer interessanten Mischung aus Internetskeptizismus, Kampf für Datenschutz und latentem Anti-Amerikanismus.

Dieser intellektuellen konservativen Elite ist ihr Google-Protest so wichtig, dass sie ihren renommierten Buchhandels-Friedenspreis dieses Jahr nicht an einen dem Frieden zugeneigten verdienten Schriftsteller verlieh, sondern an den Microsoft-Mitarbeiter Jaron Lanier, einem profilierten Kritiker von Google. Die Leser des FAZ-Feuilletons kennen Lanier bereits seit einem Gastbeitrag im April.

Es geht ein seltsamer Riss durch die deutsche Gesellschaft zwischen einer kleinen Schar akademisch ausgebildeter Google-Gegner und einer breiten Masse einigermaßen zufriedener Google-Nutzer.

Nach der Paulskirche ziehen die die Google-Kritiker nun weiter, vor das EU-Parlament. Thema soll nicht direkt die Datensammelwut Googles sein, sondern die angebliche Behinderung des freien Wettbewerbs.  Die sieht eine meist deutsche Gruppe um den badischen CDU-Abgeordneten Andreas Schwab. Er fordert deshalb die Zerschlagung Googles in eine Suchmaschine und ein suchmaschinenfreies Restunternehmen.

Das EU-Parlament ist für solche Fragen zwar gar nicht zuständig, das ist die Kommission. Aber eine erfolgreiche Abstimmung würde die Kommission unter Zugzwang setzen. Am Donnerstag soll abgestimmt werden.

Diejenigen, die dafür stimmen, werden dies auch wegen eines mulmigen Gefühls tun, irgend etwa sei falsch an dieser Datenkrake. Das habe ich übrigens auch. Für eine ernsthafte Diskussion ist mir das aber zu wenig.

Links zum Thema:

Jaron Lanier in der FAZ

Interaktive Grafik: Smartphone-Martanteile weltweit

US-Marktanteile Suchmaschinen

Suchmaschinen-Marktanteile in Deutschland

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger zur Forderung einer Zerschlagung Googles
 

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erstellt am 26.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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