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Christiansens Netzwelt : Ein Ohr für die Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unser Alltag wird bestimmt durch technische Helfer. Ein Künstler setzt noch einen drauf. Nutzwert? Fraglich.

Dass der Mensch in einer Reihe mit Krokodilen, Haien oder Löwen nicht zwingend derjenige ist, der in der freien Wildbahn und völlig auf sich allein gestellt die besten Überlebenschancen hat, ist wohl nicht allzu weit hergeholt. So ganz ohne Hilfsmittel wie Messer oder Gaskocher sind die meisten von uns aufgeschmissen. Wir sind eben Mängelwesen. Das fällt heute mehr auf als je zuvor. Auch, dass wir alles tun, uns damit nicht abfinden zu müssen, ist nicht neu. Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte das Bild der Erweiterung des Körpers („The Extensions of Man“) durch technische Hilfsmittel. Die Liste der Ergänzungen wird immer länger: unser Hirn wird heute ergänzt durch Dienste wie Google (böse Zungen behaupten, sie ersetzen das Hirn sogar), unser Orientierungssinn durch das GPS im Smartphone, und sogar die eigene kleine Welt kann durch eine VR-Brille um eine zweite – die virtuelle Realität – erweitert werden.

Der australische Künstler Stelarc dreht die Idee der Erweiterung noch weiter: an seinem Unterarm wächst ein künstliches Ohr. Er will damit aber nicht sein eigenes Gehör erweitern, sondern die Wahrnehmung der Internetgemeinde. Indem er die Geräusche, die das dritte Ohr wahrnimmt, ins Internet sendet. Pausenlos. Warum aber tut er das? Vermutlich, weil er es kann. Eine Erweiterung, die uns das Überleben sichert, wird diese wohl nicht.

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erstellt am 24.Aug.2015 | 18:38 Uhr

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