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Netscape: Der Pionier : Ein Blick in die Browser-Historie

vom

Am 4. April 1994 gründete Marc Andreessen die Mosaic Network Communications. Mit Netscape entwickelte er aus Vorgängern den ersten modernen Web-Browser – und viele sollten folgen. Die Geschichte von Internet Explorer, Firefox, Chrome, Opera und Co. hat shz.de zusammengestellt.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 16:23 Uhr

Mosaic Network Communications mag den meisten Internetnutzern heute nichts mehr sagen. Auch der Name „Netscape Communications“ wird nur bei langjährigen und älteren Internet-Nutzern auf den Ausruf stoßen: „War da nicht mal ein Browser, der so hieß?“ Und ja, es stimmt. Der Netscape Browser war 1994 einer der ersten leistungsfähigen Internetbrowser. Das Unternehmen gründete sich vor genau 20 Jahren – am 4. April 1994. Marc Andreessen war Leiter des Entwicklerteams eines Browser-Vorgängers namens „Mosaic“. Der „Netscape Navigator“ kam im Oktober desselben Jahres und verbreitete sich aufgrund seiner Schnelligkeit und fehlender Konkurrenz sehr zügig. Netscape wurde Marktführer im rasant wachsenden Internet. 1995 lag der Anteil bei über 80 Prozent weltweit.

Die erste Version des Netscape Navigator von 1994.
Die erste Version des Netscape Navigator von 1994. Foto: techpaparazzi.com

Der erste Browser, der das Netz für mehr Nutzer zugänglich machte, war jedoch „Mosaic“. Er konnte bereits 1993 Grafiken und interaktive Elemente anzeigen. Noch vor Mosaic existierten Browser mit wohlklingenden Namen wie WoldWideWeb, ViolaWWW, Cello und Lynx 2.0. Alle gab es Anfang der 1990er Jahre. Wirklich durchsetzen konnte sich am Ende nur Netscape.

Der Mosaic Web Browser machte das Internet erstmals einer breiteren Masse zugänglich. Für Windows und Macintosh erhältlich, konnte der Browser bereits Bilder zwischen den Zeilen anzeigen und war einfach zu bedienen.
Der Mosaic Web Browser machte das Internet erstmals einer breiteren Masse zugänglich. Für Windows und Macintosh erhältlich, konnte der Browser bereits Bilder zwischen den Zeilen anzeigen und war einfach zu bedienen. Foto: techpaparazzi.com

Aufgrund des Erfolgs des Netscape Navigators, brachte Microsoft 1995 den Internet Explorer auf den Markt. Hatte man das Internet vorher unterschätzt, startete Bill Gates einen Browserkrieg zwischen Netscape und dem Internet Explorer. Vorteil für Microsoft war, dass man Windows-Rechner gleich mit dem Explorer ausliefern konnte. Dieser wurde natürlich von den Anwendern auch gleich genutzt. 2009 wurde von der Europäischen Union entschieden, dass dies nicht rechtens ist. Microsoft musste im Betriebssystem eine Browserwahl einführen. Ebenfalls hatte das Unternehmen von Bill Gates mehr Geld zur Verfügung als die Firma Netscape, was ein weiterer Vorteil war.

Der erste Microsoft Internet Explorer in der Version 1.0 verdrängte Netscape schnell vom Markt.
Der erste Microsoft Internet Explorer in der Version 1.0 verdrängte Netscape schnell vom Markt. Foto: techpaparazzi.com

Von 1995 bis 2003 sank der Marktanteil des Netscape Navigators von damals über 80 Prozent auf unter vier Prozent. Der Marktanteil des Internet Explorers entwickelte sich im selben Zeitraum von unter drei Prozent auf über 95 Prozent. Im Januar 1998 gab Netscape den Navigator kostenlos ab und veröffentlichte den Quelltext als Open Source. Mit dem Projekt „Mozilla“ wurde das Programm vollständig neu geschrieben. Nach dem Kauf von Netscape durch AOL wurde im Februar 2008 schließlich das offizielle Ende des Navigators besiegelt. Entwicklung und Unterstützung des Navigators wurden eingestellt.

Der Internet Explorer 3.
Der Internet Explorer 3. Foto: wikipedia.org

Nischenbrowser ist noch heute „Opera“ aus Norwegen. Der Browser war einer der ersten, bei denen ein Pop-Up-Blocker mit an Bord war. Auch die heute so beliebten Browsertabs waren standardmäßig mit dabei. Bis 2000 war Opera kostenpflichtig, ab 2005 dann kostenlos und auch werbefrei. Der Browser steht aktuell in 50 Sprachen und für alle Betriebssysteme zur Verfügung. Aktuell ist Opera in der Version 20 verfügbar. Auch auf mobilen Endgeräten gibt es Opera in der „Opera Mini“-Variante. Der Marktanteil wird auf 1,75 Prozent geschätzt.

Der erste Opera-Browser ermöglichte bereits das Browsen mit mehreren Tabs.
Der erste Opera-Browser ermgölichte bereits das Browsen mit mehreren Tabs. Foto: wikipedia.org

Mozilla Firefox kam in der ersten Version im Jahr 2002 auf den Markt. Damals hieß er zunächst Phoenix, später Firebird. Aufgrund von Ähnlichkeiten zu anderen Produkten entschied man sich 2004 schließlich für Firefox. Er entstand aus dem Open-Source-Code des Navigators. 2013 gehörte er zu den drei am häufigsten genutzten Webbrowsern. 2014 läuft er bereits in der Version 28.0, Ende April kommt mit Firefox 29.0 die neueste Version.

Der Mozilla Firebird war der Vorgänger des heute sehr beliebten Mozilla Firefox.
Der Mozilla Firebird war der Vorgänger des heute sehr beliebten Mozilla Firefox. Foto: andrewturnbull.net

Auf Safari gehen kann man mit dem Browser von Apple, der seit 2003 auf dem Markt ist. Er ist der Standardbrowser auf allen Apple-Computern. Aktuell läuft die Version 7 vom Band. Zwischenzeitlich gab es Safari auch für Windows-Nutzer. Es war der erste Browser, der neben Internet Explorer, Opera und Netscape als Alternative für das Apple Betriebssystem veröffentlicht wurde. Vorgestellt wurde er noch von dem inzwischen verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs.

Apples Safari Browser aus dem Jahr 2003.
Apples Safari Browser aus dem Jahr 2003. Foto: techpaparazzi.com

Auch Google erschloss den Markt der Browser. Mit „Chrome“ erschien bereits 2008 die erste Version. Seit 2012 gibt es Chrome auch für Android-Smartphones. Google macht Werbung für Chrome als schnellsten Webbrowser. Bei einem Test war Googles Browser tatsächlich einmal etwa doppelt so schnell wie der Firefox 3.6 von 2010 und neunmal so schnell wie der Internet Explorer 8 von 2009. Aktuell surft man mit Chrome in der Version 33.0. Chrome steht in der Kritik, da es unter anderem zu viele Daten mitsendet. Bei vielen Freewareinstallationen wird der gleichzeitige Download von Google Chrome mit angeboten. Der Haken in den entsprechenden Boxen ist dabei stets gesetzt, was viele Nutzer beim Download übersehen und den Browser ungewollt mitinstallieren. Dies ist keine Ausnahme, sondern eine gängige Praxis vieler Software-Anbieter in den letzten Jahren.

Googles erster Browser kam im Jahr 2008 auf den Markt und ist heute sehr erfolgreich.
Googles erster Browser kam im Jahr 2008 auf den Markt und ist heute sehr erfolgreich. Foto: techpaparazzi.com

Durch die vielen Browser-Alternativen hat der Internet Explorer, auch aufgrund von immer wieder auftretenden massiven Sicherheitslücken seine weltweite Verbreitung eingebüßt. Mit Erscheinen des Firefox sank der Marktanteil bereits deutlich. Laut einer Erhebung des globalen Statistikunternehmens StatCounter gelang es erstmals dem Webbrowser Google Chrome in der Woche vom 14. bis 20. Mai 2012, an sieben aufeinander folgenden Tagen die Spitzenposition des weltweit am meisten genutzten Browser einzunehmen. Der Internet Explorer ist seither auf dem Rückzug.

shz.de im Firefox-Browser am 4. April 2014. Heutige Browser sind mit den Urversionen kaum noch vergleichbar.
shz.de im Firefox-Browser am 4. April 2014. Heutige Browser sind mit den Urversionen kaum noch vergleichbar. Foto: Screenshot

Die Browserverbreitung ist eine tatsächliche Verbreitung aber nicht zweifelsfrei festellbar, da verschiedene Anbieter Statistiken veröffentlichen, deren Ergebnisse stark variieren. Ein anderer Browser im Büro als zuhause, Sicherheitslücken und die Veröffentlichung neuer Versionen sind ebenso ausschlaggebend wie Land, Themengebiet der Webseite oder der Zeitpunkt der Messung. Nach einem groben Trend von webmasterpro.de nutzen Anwender am 4. April 2014 im deutschsprachigen Raum zu 34,8 Prozent Mozilla Firefox, 18,6 Prozent Microsofts Internet Explorer, 16,1 Prozent Google Chrome, 5,0 Prozent Safari, 1,8 Prozent Opera. Der Rest ist mit anderen Browsern unterwegs, die zum Beispiel „Sea Monkey“, „Camino“ oder „Silk“ heißen.

Browseranteile in Deutschland am 4. April 2014.
Browseranteile in Deutschland am 4. April 2014. Foto: Screenshot / webmasterpro.de

2012 hatte mit Net Applications ein anderes Marktforschungsunternehmen Zahlen präsentiert, wonach der Internet Explorer mit 54,09 Prozent noch eine mehr als doppelt so hohe weltweite Verbreitung wie der Mozilla Firefox-Browser mit 20,2 Prozent sowie der Google Chrome-Browser mit 18,85 Prozent aufwies. Im Januar 2014 liegt Google Chrome (grün) weltweit unangefochten vorn. Opera (rot), Mozilla Firefox (orange), Internet Explorer (blau) und Safari (grau) folgen auf den Plätzen.

Die weltweite Browsernutzung zeigt einen deutlichen Trend: Die Welt ist Chrome.
Die weltweite Browsernutzung zeigt einen deutlichen Trend: Die Welt ist Chrome. Foto: Palacesblowlittle / wikipedia.org
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