zur Navigation springen

Voss’ Netzwelt : Ein besseres Leben ohne Internet?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Internet ist eine grandiose Technologie – doch wie schnell müssen Nachrichten den Menschen eigentlich erreichen?

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 10:40 Uhr

Neulich habe ich mit einer Gruppe Rentner über das Internet diskutiert. Männer und Frauen zwischen 65 und 90 – die allermeisten waren schon länger online. Nur einer sagte, ihm reiche sein Telefon, die Zeitung, der Fernseher und die Post. Und er wirkte durchaus informiert. Vielleicht lag das daran, dass bei ihm nur die wichtigsten Informationen ankommen: Die Fernsehnachrichten berichten ihm, was in der Welt passiert. Die Tageszeitung erklärt, was das für ihn zu Hause bedeutet. Und er bekam sogar den monatlichen Rundbrief seiner Bundestagsabgeordneten, die ihm über die wichtigsten Themen aus erster Hand berichteten.

Für einen Moment war ich fast neidisch. Ich sitze den ganzen Tag an allen Quellen der Welt. Da erfahre ich von Ereignissen bereits, wenn selbst auf den Top-Nachrichten-Seiten noch nur Eil-Überschriften zu finden sind. Meistens würden die Abendnachrichten oder die Zeitung am nächsten Morgen reichen. Und für eine gute Analyse muss man ohnehin länger warten. Die Informationen und Möglichkeiten sind manchmal erschlagend. Hätte ich ohne das Internet vielleicht ein besseres Leben?

Aber dann erinnerte ich mich daran, was mich damals am Internet begeistert hat: Der direkte Draht zu Menschen in aller Welt. Ich bin überhaupt nur nach meinem ersten Versuch online geblieben, weil mich dort ein netter Mensch in einen Chat einlud und mir erklärte, wie alles funktioniert. Dieser Mensch saß noch im Nachbarort.

Als ich dann bei einem Freund das erste Mal so richtig im Internet war und wir mit einem Menschen aus England chatteten, ist mir bewusst geworden, was das für eine grandiose Technologie ist: Man kann kostenlose Briefe rund um die Welt innerhalb kürzester Zeit verschicken! Diesen Austausch finde ich heute immer noch faszinierend und ich glaube weiterhin, dass darin eine riesige Chance für die Menschheit liegt. Und ich glaube auch der ältere Herr aus der Rentnergruppe hätte Spaß an einem Videotelefonat mit seiner Familie oder Freunden, die er nicht mehr besuchen kann.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen