zur Navigation springen

Nordens Netzwelt : Ein Babyphone für junge Autofahrer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gegenseitige Überwachung zieht in unseren Alltag ein. Das darf aber nicht dazu führen, dass wir uns daran gewöhnen.

Da hat sich US-Autobauer General Motors ja etwas Tolles einfallen lassen: Der neue Chevrolet Malibu ist eine Art „Babyphone“ für Fahranfänger. Das Auto zeichnet auf , wie oft die Geschwindigkeit überschritten wurde, das ESP angesprungen ist oder eine Notbremsung eingeleitet wurde. Aktiviert wird das „Teen Driver System“ über den Schlüssel. Der Autobauer feiert sich für seinen Coup. Jugendliche Fahrer seien überdurchschnittlich oft in Verkehrsunfälle verwickelt. Nun biete man Eltern die Möglichkeit, sich detaillierte Berichte über das Fahrverhalten ihrer Sprösslinge geben zu lassen. Sicherheitspaket nennt das General Motors. Ich sage, es ist mal wieder der Einzug von Überwachungssoftware in unseren Alltag.

Uns selbst analysieren wir dabei besonders gerne. Waren es ursprünglich nur Schrittzähler, testen Apps wie „Ucheck“ in smarten Uhren heute sogar schon unseren Urin oder überwachen unseren Schlaf. Aber auch andere können wir mittlerweile dank Internet überwachen. Es fängt schon bei Facebook oder Whatsapp an. Die sozialen Netzwerke verraten uns, ob unsere Nachrichten gelesen wurden und wann unsere Freunde zuletzt online waren. Es gibt aber auch hier Apps wie „Finde mein Handy“, mit denen Aufenthaltsorte anderer Personen – deren Einverständnis vorausgesetzt – verfolgt werden können.

Was das alles bringt? Wir optimieren uns selbst und die Überwachung bringt Sicherheit mit sich. Was wir dabei aber nicht vergessen dürfen, sind die Daten, die wir produzieren. So lange wir über sie die Kontrolle haben, sind wir tatsächlich sicher. Aber was passiert, wenn es uns plötzlich Spaß macht, uns gegenseitig zu überwachen? Sinkt dann auch unsere Hemmung gegenüber Dritten, die unsere Daten für ihre Zwecke sammeln? Überführt das „Auto-Babyphone“ dann den Temposünder direkt an die Polizei oder die Kfz-Versicherung? So weit darf es nicht kommen.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Mär.2015 | 07:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen