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Pinterest : DIY, Reisen, Kochen: Ein Netzwerk für schöne Bilder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Strandkörbe, Reetdachhäuser, Robben: Das Netzwerk aus Fotos wird immer beliebter. Auch in SH.

von
erstellt am 31.Aug.2015 | 11:42 Uhr

Früher heftete man Fotos, Artikel oder Rezepte an Korkpinnwände und Kühlschränke, heute geht das auch am Computer oder auf dem Handy. Der Online-Dienst Pinterest – eine Wortschöpfung aus „pin“ (etwas anheften) und „interest“ (Interesse) – will die digitale Pinnwand etablieren, an die Nutzer per Mausklick Bilder, Grafiken und Ideen aus dem Netz anheften können. Die Bilder werden in „Boards“ nach Themen wie Mode, Reise und Rezepte geordnet.

Pinterest war lange vor allem in den USA vertreten, will jetzt aber auch mehr Nutzer in Deutschland gewinnen. Mehr als 825  000 Inhalte speichern deutsche Nutzern jeden Tag an ihren Pinnwänden. Die Zahl der Pinterest-User hierzulande hat sich in den letzten zwölf Monaten verdreifacht. Diese Zahlen legte das Unternehmen jetzt zum ersten Geburtstag in Deutschland vor. Und ein kurzer Blick ins Netz zeigt: Pinterest ist auch in Schleswig-Holstein angekommen. Per Suchfunktion lässt sich die Schönheit des Nordens entdecken. Zahlreiche Bilder von Strandkörben, Leuchttürmen, Reetdachhäusern sind zu sehen. Das Lübecker Holstentor, die Rendsburger Hochbrücke, das Eutiner Schloss – auch die Top-Attraktionen werden gepinnt. Schnell wird klar: Schleswig-Holstein ist beliebt bei Urlaubern – und gerade die tummeln sich im Online-Fotoalbum. Mehr als 15 Millionen Reise-Ideen wurden bereits veröffentlicht, bilanziert Pinterest. Das Netzwerk ist eine Alternative zum klassischen Reiseführer.

Andere beliebte Themen sind Mode, Inneneinrichtung, Essen und Trinken sowie Do-It-Yourself-Projekte. Klingt nach einer Mischung eines Magazins für Frauen, doch Pinterest wird auch bei Männern immer beliebter. Ihr Anteil habe sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt, sagt der Deutschland-Chef Jan Honsel in Berlin. Mit konkreten Nutzer-Zahlen rückt er allerdings nicht heraus. Marktforscher gehen von weltweit über 70 Millionen Usern aus.

Das Unternehmen selbst sieht sich weniger als Foto-Sammelalbum, sondern spricht lieber von einer „visuellen Suchmaschine“. In den USA will das fünf Jahre alte Start-up nun auch eine Einkaufsplattform werden. Seit Juni gibt es dort die Möglichkeit, über einen „Kauf“-Button in der Pinterest-App Artikel direkt zu bestellen. Die Einführung des Kauf-Buttons in Deutschland dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein: Für Deutschlandchef Honsel ist es eine „logische“ Entwicklung, dass Nutzer zukünftig mit einem Klick ihre Wunschartikel auch erwerben können.

Marketing-Expertin Orli LeWinter von der New Yorker Werbeagentur 360i prophezeit Pinterest eine wichtige Rolle im Online-Handel. „Nutzer der Plattform sind bei ihrer Ideensuche oft schon in Kaufstimmung, damit kann Pinterest zum wichtigen Player im E-Commerce-Geschäft werden“.

Eine Provision für die Verkäufe über Pins erhält Pinterest nach eigenen Angaben nicht. Stattdessen fließen seit Jahresbeginn erste Werbeeinnahmen in den USA, wo Unternehmen auf Pinterest Anzeigen schalten können. Doch das Millionen-Kapital des Start-ups stammt von Investoren. In diesem Jahr wurde Pinterest mit elf Milliarden Dollar bewertet, im Jahr zuvor war der Firmenwert noch bei fünf Milliarden Dollar angesetzt worden.

Ein baldiger Börsengang sei nicht geplant, sagt Mitgründer Evan Sharp. „Der größte E-Commerce-Service“ zu werden sei nicht sein Ziel. „Wir sehen uns als grenzenlosen Katalog von kreativen Ideen, die man entdecken, sammeln und umsetzen kann“, sagt der 32-Jährige.

Nutzer sammelten Ideen auch nur für sich selbst, denn eine Pinnwand kann auch unter Verschluss bleiben. Auch Sharp macht davon Gebrauch. „Meine Frau und ich haben einen Welpen, und unser Puppie-Board rund um Hunde ist privat, keiner kann das sehen“, sagt der Wahl-Kalifornier.

Doch Pinterest ist nicht gleich Pinterest. Im internationalen Geschäft fallen auch die kleinen Unterschiede auf. „In England werden Rezepte mit Avocado sehr viel gepinnt“, sagt Honsel. Deutsche Nutzer stehen dagegen mehr auf Tomaten.

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