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Christiansens Netzwelt : Digitaler Knöllchenretter – So klappt’s mit der Beschwerde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Brite programmiert einen Bot, der Verkehrssündern beim Widerspruch helfen soll.

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 18:37 Uhr

Der Brite Joshua Browder und ich teilen ein ähnliches Schicksal (böse Zungen nennen es gehässig „Hobby“): Wir sammeln Strafzettel. Was uns voneinander unterscheidet: Ich beschwere mich selten an offizieller Stelle darüber. Nicht, weil es nicht auch manchmal eine Restchance auf Erfolg gäbe – ich bin schlicht zu faul. Papierkram ist nicht mein Ding, nicht einmal die Aussicht auf einen Geldsegen kann mich locken. Meine Steuererklärungen schiebe ich bis zum Sankt Nimmerleinstag. Gegen Strafzettel Beschwerde einzureichen, fällt also per se schon mal flach.

Browder hat dies jedoch perfektioniert. Kurz nach seinem bestandenen Führerschein flatterten regelmäßig Knöllchen ins Haus. Er begann gegen die Bußgeldbescheide Beschwerde einzulegen – und hatte oft genug Erfolg.

Der junge Mann hat noch ein Talent, das ich nicht teile – das Programmieren. Er entwickelte eine Webseite, die auch faulen Menschen wie mir dabei helfen soll, eine Beschwerde zu formulieren. Auf der Webseite „DoNotPay“ (deutsch: Zahl nicht) müssen mutmaßliche Verkehrssünder einem Bot gezielte und auf Schlüsselbegriffen basierende Fragen beantworten. Aus den Antworten generiert das Programm dann den passenden Einspruch. Dies sei nur möglich, weil solche Beschwerdeverfahren sehr formalisiert ablaufen, sagt der Entwickler. Bürokratie ist berechenbar.

Aktuell ist das Angebot nur in Großbritannien nutzbar, der Macher will aber Ende März in einer weiteren Version die Gesetze in den USA berücksichtigen, auch für eine deutsche Ausgabe sei er bereits in Gesprächen mit Anwälten, um das Angebot rechtssicher zu machen. Die Erfolgsrate von angeblich 47 Prozent scheint zu motivieren. 150  000 Nutzer sollen mithilfe von „DoNotPay“ bereits insgesamt vier Millionen Euro an Strafgebühren eingespart haben.

Klingt erstmal verlockend. Ob ich es nutzen werde? Die Gefahr, sich umsonst einen Arbeitsschritt mehr als beim Kleinbeigeben und direkt Bezahlen eingebrockt zu haben, bleibt. Denn eine Garantie für eine erfolgreiche Beschwerde gibt es schließlich nicht.

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