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Nothilfebüro der Vereinten Nationen : Digitaler Blick ins Krisengebiet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Digital Humanitarian Network bietet Katastrophenhelfern Informationen in Echtzeit über die Lage.

Frankfurt/Main | Wenn irgendwo ein Hilfseinsatz ansteht, gerät Patrick Meier in Stress. „Wir haben viel zu tun, ich bin gerade auf dem Weg nach Vanuatu“, schrieb der digitale Nothelfer in einer E-Mail. Wenige Tage zuvor war der Zyklon „Pam“ über den südpazifischen Inselstaat gefegt. In den Stunden danach gab es kaum Informationen über das Ausmaß der Katastrophe. Telefon- und Internetverbindungen wurden großteils zerstört. Um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, hat das Nothilfebüro der Vereinten Nationen (OCHA) das Digital Humanitarian Network aktiviert. Meier ist einer der Gründer.

Das Netzwerk weltweit verstreuter Freiwilliger soll Twitter-Meldungen zu Vanuatu sowie Bilder und Videos aus dem Internet auswerten. Aus den Ergebnissen entsteht eine Krisenkarte, an der die Katastrophenhelfer von OCHA sich orientieren können. Das lässt sich in Echtzeit auf der Webseite verfolgen.

Schon lange werden Web-Inhalte nicht mehr nur angeboten: Sie werden gleichzeitig von den Nutzern selbst produziert. Das „Mitmach-Netz“ verändert auch die klassischen Strukturen der Nothilfe. Schon seit einigen Jahren werden digitale Daten systematisch ausgewertet, um Krisen besser zu bewältigen.

Plattformen wie die Meiers sorgen dafür, dass die Datenflut nicht alles überschwemmt. Die Stichwörter „Vanuatu“ und „Zyklon Pam“ wurden an nur einem Tag in knapp 200.000 Tweets erwähnt, rechnet die Website Topsy hoch.

Digitale Werkzeuge können solche Nachrichten zwar anhand von Schlagwörtern und Algorithmen bestimmten Kategorien zuordnen. Selbstständig auswerten können sie Texte aus sozialen Netzwerken jedoch nicht. Das ist aber wichtig, wie eine Studie des Pew-Forschungszentrums mit Sitz in Washington zeigt. Während des Hurrikans „Sandy“ vor der Ostküste der USA 2012 wurden über 20 Millionen Tweets versandt. Nur ein Drittel enthielt nützliche Informationen.

Doch der digitale Austausch hilft nur denen, die Internetzugang haben. Laut der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für Informations- und Kommunikationstechnologien nutzten 2014 über zwei Milliarden Menschen ein internetfähiges Mobiltelefon. Fast doppelt so viele haben jedoch keinen Internetzugang, 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Für sie ist es hilfreich, dass Hilfsorganisationen Techniken nutzen, für die weder Router noch Glasfaserkabel nötig sind.

Die Diakonie Katastrophenhilfe regelt zum Beispiel die Essensausgabe für syrische Flüchtlinge in der Türkei per SMS, wie die Pressesprecherin Anne Dreyer berichtet. In der Ukraine kooperiert die Organisation mit dem Handelskonzern „Metro“: Statt klassischer Essenspakete bekommen die Bedürftigen Geldkarten, mit denen sie in Supermärkten einkaufen können. „Das führt zu mehr Selbstbestimmung. Die Entscheidungsfreiheit der Flüchtlinge wächst, weil sie sich selbst aussuchen können, was sie kaufen wollen“, erklärt Dreyer.

Um erst einmal herauszufinden, wo nach einer Katastrophe überhaupt Hilfe benötigt wird, setzt die Hilfsorganisation I.S.A.R Germany auf Drohnen. Nachdem Taifun Haiyan 2013 auf den Philippinen wütete, lieferten Flugobjekte Luftaufnahmen von der Katastrophe. „Mit Drohnen kann man sehr schnell große und schlecht erreichbare Gebiete erkunden,“ sagt Sprecher Mark Rösen. Außerdem seien sie wendiger als Hubschrauber. „Man kann auch in Gebäude reinfliegen, um die Lage zu erkunden.“ Bis jetzt sind Drohnen bei Hilfsorganisationen kaum verbreitet. Die Geräte seien mit bis zu 20  000 Euro sehr teuer, erklärt Rösen, aber auf jeden Fall ein Zukunftstrend in der Nothilfe.


Hier geht es zur digitalen Katastrophenkarte von OCHA: http://bit.ly/1IJ0peG

 

 

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erstellt am 10.Apr.2015 | 07:44 Uhr

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