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Fligges Netzwelt : Diesem Computer vertrauen?

vom

Selbst fahrende Autos, Roboter als Touristenführer - künstliche Intelligenz kann beides: beeindrucken und verängstigen, meint Kolumnist Tobias Fligge.

von
erstellt am 15.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Das fragt mich mein iPhone immer dann, wenn ich es über meinen Rechner aufladen möchte. Bisher habe ich mir über diese Frage kaum große Gedanken gemacht. Da ich nur den Strom anzapfe, ist meine Standardantwort „nicht vertrauen“. Doch in letzter Zeit stelle ich sie mir, auch ohne von Apple darauf aufmerksam gemacht zu werden. Klar sorgen Spione und Kriminelle schon lange dafür, dass man sich im Internet nicht gerade sicher fühlen sollte. Doch Software übernimmt immer mehr Verantwortung für unser Leben. Mittlerweile geht es nicht mehr nur darum, über das Internet Informationen abzufragen. Programme werden schlauer. In meinem iPhone zum Beispiel wohnt Frau Siri. Eine Sprachsoftware mit künstlicher Intelligenz, die sogar auf philosophische Fragen eine Antwort hat. Was ist der Sinn des Lebens? Siri antwortet: „Ich finde es merkwürdig, dass Du das ausgerechnet ein unbelebtes Objekt fragst.“ Touché. Mir ist das unheimlich, weshalb ich Siri auch nie zu Rate ziehe. Google arbeitet an selbst fahrenden Autos mit immer erfolgreicheren Testergebnissen. Das heißt, irgendwann  steuert uns tagtäglich der Autopilot. Im schlimmsten Fall muss dann Elektronik über Leben und Tod entscheiden. Wenn sich bei Ausweichmanövern  die Frage stellt: Soll ich den Schulbus links oder den Kleinwagen rechts rammen? Von der Kriegsmaschine (in Fachkreisen autonome Waffe genannt) bis zum Touristenführer – Entwickler arbeiten an von künstlicher Intelligenz beseelten Robotern in allen Lebensbereichen. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich noch schwer beurteilen. Ich in kein Technikfeind. In einem oder zwei Jahrzehnten werden wir mehr wissen. Vermutlich werde ich aber mit einer ähnlichen Skepsis auf den einen schönen Tag wünschenden Roboter im Kiosk reagieren, wie meine Eltern und Großeltern heute auf Smartphones. Viele der Erfindungen, die uns gegenwärtig das Leben erleichtern, hat das Science-Fiction-Genre schon lange vorausgesagt. Doch dieses Genre ist auch voller düsterer Visionen.

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