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Deutsches Buzzfeed: Heftig : Diese Webseite hat riesigen Erfolg und keiner weiß, wem sie gehört – das ist echt heftig

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Niemand weiß bisher, wer der Betreiber der Plattform heftig.co genau ist, und trotzdem ist es eine der erfolgreichsten Seiten im Social Web.

Belize Stadt | „Heftig sammelt und veröffentlicht Geschichten aus dem Leben, Geschichten, die nachdenklich machen und aufzeigen, dass man selbst nicht der Nabel der Welt ist.“ So beschreiben die Macher einer der derzeit erfolgreichsten Webseiten in Deutschland ihre Arbeit. Im Social-Media-Ranking der deutschsprachigen Medien stand „Heftig.co“ zuletzt ganz vorn. Unglaubliche 2,356 Millionen Likes, Shares und Tweets erreichten die Geschichten der Webseite im April – mit nur etwa 90 Beiträgen. Klassenprimus Spiegel Online und Boulevardplattform Bild.de erreichten mit ihren gesamten Inhalten – immerhin rund 6000 Artikel – „nur“ 2,618 Millionen sogenannter „Flies“ (Reichweite sozialer Medien).

9,2 Millionen Besucher, davon fast 85 Prozent über soziale Medien: Heftig ist ein Social Media Hype.
9,2 Millionen Besucher, davon fast 85 Prozent über soziale Medien: Heftig ist ein Social Media Hype. Foto: similarweb.com

„Heftig.co“ ist eine Art deutsches Buzzfeed. Die Macher zielen dabei bewusst auf emotionale Inhalte ab, die sich über die sozialen Medien rasend schnell verbreiten und mittlerweile bis zu 85 Prozent des Gesamttraffics ausmachen. Das schafft nicht einmal die amerikanische Nachrichtenseite Buzzfeed. 9,2 Millionen Besuche errechnet das Webanalyse-Tool „Similarweb“ allein für den Monat April. Von 27,6 Millionen spricht der Betreiber. Der hält sich bislang zurück und niemand weiß bisher, wer „Heftig.co“ ins Leben gerufen hat. Das ist keine Überraschung: Die meisten Inhalte, die Heftig.co veröffentlicht, werden ohne Quellenangabe publiziert.

Schockierende, lustige, aufregende oder rührende Fotos und Videos sind die gängigsten Inhalte. Mit außergewöhnlichen Überschriften hält „Heftig.co“ die sozialen Netzwerke bei Laune. Typische Heftig-Artikel heißen: „Diese Frau musste viel erleiden und ihr Lächeln ist ungewöhnlich. Der Grund ist einfach überwältigend“ oder „Im Warteraum einer Klinik machte dieses ältere Paar etwas Fantastisches. Das ist so cool“. Die Titel sollen zum Anklicken und Teilen animieren. Was dann dahinter steckt, ist meist weniger fantastisch. Das Video zeigt ein älteres Ehepaar das zusammen vierhändig am Klavier spielt. Es ist zugegeben ziemlich cool, aber auch schon vor sechs Jahren bei Youtube hochgeladen worden. Warum gerade jetzt auf das Video aufmerksam gemacht wird, spielt vermutlich keine Rolle. „Heftig.co“ ist der Meinung, dass es „viele Dinge um einen herum gibt, die tragisch und traurig sind, dass wir viel mehr über den Tellerrand schauen sollten, um Hilfe zu geben und Anteilnahme zu haben.“ Die Geschichten funktionieren und sprechen die Nutzer an, wie die Besucherzahlen beweisen.

Die Homepage der Plattform Heftig.
Die Homepage der Plattform Heftig. Foto: Screenshot/ heftig.co

Die Medienwelt sucht derweil verzweifelt nach Hinweisen, wer sich hinter dem Internetportal verbirgt. Die Domain ist in Kolumbien registriert – zu merken an dem „.co“ in der URL. Auf der Internetseite ist eine Adresse am Northern Highway in Belize angegeben. Ob die Inhalte aber in Flensburg, Berlin oder Belize online gestellt werden, lässt sich nicht bestimmen. Letzteres schließen mehrere Medien aber aus, deren Anfragen seitens des Urhebers des Angebotes unbeantwortet blieben. Bisher ist es niemandem gelungen, zu recherchieren, wer „Heftig.co“ gegründet hat.

Die Informationsplattform für digitales Marketing „Online Marketing Rockstars Daily“ konnte bis heute zumindest in Erfahrung bringen, dass Heftig durch den Restplatzvermarkter „AdTiger“ vermarktet wird. Restplatzvermarkter geben Werbekunden die Möglichkeit, ihre Werbebanner zu günstigen Konditionen auch auf reichweitenstarken Portalen einzubuchen. Sie setzen bei Inhalten eher auf Masse statt Klasse. „Online Marketing Rockstars Daily“ will demjenigen, der hilft, den „Heftig.co“-Betreiber aufzudecken, eine Belohnung von 1000 Euro zahlen. Die Bedingung: Durch den Hinweis müssen die Website-Betreiber zweifelsfrei identifizierbar sein.

Die Facebook-Seite von Heftig.
Wirkt unprofessionell: Die Facebook-Seite von Heftig. Foto: Screenshot / facebook.com

Derweil wundern sich zahlreiche Medien, ob die Reichweitenzahlen und Zuwächse auch rechtlich legal sind. Neben fragwürdigen Inhalten und aufgewärmten Themen zeigt zum Beispiel die Fan-Entwicklung bei der 714.000 Fans zählenden Facebookseite einen Ansprung um 50.000 Fans zwischen dem 24. und dem 27. April. In einem so kurzen Zeitraum eine ungewöhnliche Entwicklung. Doch der Erfolg scheint zu bleiben. Heftig wächst auch im Mai weiter heftig.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 15:48 Uhr

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