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Netzwelt

23. Oktober 2017 | 21:41 Uhr

Die virtuelle Mecker-Box

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

von
erstellt am 11.Sep.2014 | 15:04 Uhr

Jürgen von der Lippe kichert. Er wurde gerade bepöbelt und findet das offenbar amüsant. „Dicker kleiner Mann mit dem lustigen Hemd und dem Spanner-Bärtchen" wird er genannt. Ein anderer schimpft: „Du kleines fettes von der Lippe Arschloch.“ Der Moderator – diesmal ohne Hawaii-Hemd – hat sich im Youtube-Format „Disslike“ absichtlich Hohn und Spott seiner Nicht-Fans ausgeliefert. Damit tritt er in die Fußstapfen diverser Deutschrapper, dem Moderator und „pubertierenden Wischmob“ Markus Kavka oder einigen Politikern. So lässt sich Gregor Gysi (Linke) für die Mecker-Serie als „Kaviarkommunist“ mit „Napoleonkomplex“ betiteln. Marina Weisband, ehemaliges Aushängeschild der Piraten und „verwirrter als ein Frosch auf der Autobahn“ reagiert etwas irritiert auf die Schmähkritik und kontert beleidigt: „Tritt auf einen Lego.“

Mehrere tausend Youtube-Nutzer schauen sich diese Videos an. Die „Promis“ sitzen vor einer braunen Tapete, lesen dabei die Pöbeleien vor und reagieren meist belustigt, manchmal belehrend ob der üppig eingestreuten Rechtschreibfehler.

Wer schon mal Kommentare auf Facebook-Seiten oder unter Youtube-Videos überflogen hat, stolpert zwangsläufig irgendwann über das Meckersyndrom. Selbst die FAZ widmet einen ihrer Feuilleton-Artikel einem Menschen, der sich zwölf Stunden am Tag damit befasst, Hass-Kommentare im Internet zu veröffentlichen.

Doch warum meckern die Nutzer lieber, anstatt ihre kostbare Zeit einem Thema zu schenken, das sie besser finden? Vielleicht liegt es ja daran: Meckern ist einfach. Im Dagegen-Sein ist fast jeder Profi – und das positive Bekenntnis zu einer politischen Meinung, Musik oder neuen Idee macht angreifbar und verletzlich. So kann man die Kritik (hier gegen Jürgen von der Lippe geäußert) quasi eins zu eins zurückgeben: „dumm und ordinair und schon ist das puplikum gut drauf“. Aber um mit etwas Positivem abzuschließen: Das Disslike-Format gefällt mir irgendwie trotzdem.

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