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Dreyklufts Netzwelt : Die üblichen Reflexe der Sicherheitspolitik nach den Anschlägen von Paris

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Verschlüsselung zu verbieten, ist der völlig falsche Weg, Terroristen zu schwächen. Doch es gibt nach den Anschlägen auch eine gute Idee.

Wie kommunizierten die Pariser Attentäter? Und wie lässt sich Kommunikation so überwachen, dass wir künftige Anschläge verhindern können? Die Antworten auf diese Fragen erscheinen oft auffällig hilflos. Und falsch.

Da war die Meldung mit der Playstation. Darüber hätten Terroristen kommuniziert, hieß es in einem inzwischen korrigierten Beitrag von „Forbes“. Dabei fand ich die Expertenäußerungen nach dem falschen Bericht durchaus erhellend. Die Chats in den Spielen seien gut verschlüsselt und geeignet, meinten viele. Man könne sogar Botschaften hinterlassen, indem man sie in eine Wand ballere, meinte einer (zu sehen in einem Video in diesem Beitrag auf welt.de).

Auffällig: Nach meiner Beobachtung ist niemand mit der Forderung aufgetreten, die Playstation im Speziellen und Computerspiele im Allgemeinen zu verbieten.

Bericht aus dem ARD-Mittagsmagazin vom 16. November 2015, nach dem Strickmuster: „Das Internet ist an allem schuld, auch am Terrorismus.“

Ein anderer Reflex trat dagegen hervor: Verschlüsselung verbieten! Mit dem gleichen alten albernen Argument: Die Bösen kommunizieren verschlüsselt, also brauchen die Behörden Nachschlüssel. Mindestens. Das ist intellektuell ungefähr so anspruchsvoll wie die Forderung, Schlösser in Bankschließfächern zu verbieten, weil dort Diebesgut und Waffen versteckt werden können.

Wir sollten endlich zu dem Schluss kommen, dass es verschlüsselte Kommunikation gibt und geben muss. Sie brauchen sie, wenn Sie etwa Geschäftsgeheimnisse austauschen wollen. Ich brauche sie, um Informanten zu schützen. Wir als Gesellschaft brauchen sie, wollen wir eine Demokratie bleiben.

Ein Reflex des Gouverneurs von New York ist mir gar nicht unsympathisch: Er ruft nach Denunzianten. Mit einer App namens „See Something, Send Something“ fordert er Bürger auf, Verdächtiges per Smartphone zu melden. Ein niederschwelliges Angebot, um mit der Polizei Kontakt aufzunehmen, ohne die Notrufnummer zu belasten, finde ich gut.

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erstellt am 24.Nov.2015 | 16:55 Uhr

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