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Maas’ Netzwelt : Die Überwachung aus dem Auto

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Gogle Street View war die Aufregung groß - bei Dashcams sieht das anders aus, wundert sich unsere Kolumnistin Barbara Maas.

Ein Auto fährt durch Peking. Eine Kamera liegt innen auf dem Armaturenbrett und filmt durch die Windschutzscheibe. Das Bild: verwackelt. Der Fahrer: nur ab und zu als schemenhafte Spiegelung zu sehen. Die Szene: Menschen, Tiere, Autos – Alltag eben. Das ist Kunst. Der chinesische Aktivist Ai Weiwei hat die Fahrt durch die Straßen der  Metropole aufgezeichnet. Ungefähr 150 Stunden lang.

Um Kunst geht es einem Anwalt aus Bayern nicht, sondern um sein Recht. In seinem Auto fuhr auch eine Kamera mit – klein und kaum sichtbar auf dem Armaturenbrett. „Dashcams“ heißen diese Mini-Kameras. Und sie sind umstritten, weil es kaum gerichtliche Entscheidungen in der Frage gibt, ob sie eigentlich legal sind.

Heute könnte sich das ändern. Das Verwaltungsgericht in Ansbach beschäftigt sich mit den Kameras. Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hatte dem Mann nämlich den Einsatz seiner Kamera  verboten: Die permanente Videoüberwachung verletze die Rechte unbeteiligter Passanten. Die übrigens von den Aufnahmen   nichts mitbekommen dürften. Und eine heimliche Videoüberwachung verbietet das Bundesdatenschutzgesetz.

Der Autofahrer hält dagegen: Er will die Videos nur nutzen, wenn er sie als Beweise braucht – zum Beispiel bei einem Unfall.   Und woanders darf man das ja auch. In Russland sind die Kameras beliebt.   Im Februar 2013 sahen Menschen auf der ganzen Welt „Dashcam“-Bilder. Die Kameras hatten den Meteoriteneinschlag inTscheljabinsk festgehalten. Zufällig.

Also alles gut? Im Gegenteil. Als vor einigen Jahren die Wagen für Google Street View durch die Straßen fuhren und Aufnahmen machten, war die Aufregung groß. Auf dem Auto prangte in großen, bunten Buchstaben  „Google“, die Kamera thronte  gut sichtbar auf dem Dach. Wer heute eine Dashcam besitzt, bleibt unbemerkt. Oder wissen Sie mit Sicherheit, dass  niemand gesehen hat, wie sie gestern Abend an der Ampel in der Nase bohrten? Eben.

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erstellt am 12.Aug.2014 | 05:00 Uhr

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