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Fietzes Netzwelt : Die tollsten Apps zum Schulbeginn?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hilfe per Smartphone gibt’s für jede Lebenslage – aber wie sinnvoll ist der Einsatz von Apps, wenn es ums Lernen geht?

Sinnvolle Lernapps suchen Sie hier doch nicht allen Ernstes. Die haben Sie doch schon. Nein: Die brauchen Sie doch gar nicht!

Internet und Illustrierte wimmeln seit Wochen nur so vor App-Tipps und „Must Haves“ zum Schulstart. Wozu? Um Bedarfe zu simulieren, die kein ABC-Schütze oder Oberstufler und auch keine Lehrkraft hegt: Tierstimmen-App, Hausaufgaben-Orga-App, Stundenplan-App, Montessori-Buchstaben-App… und die Zeugnis-App für die mobil synchronisierte Lehrkraft sowieso.

Manchmal ist Nützliches dabei, aber anders als bei Buntstift (anatomisch ausgereift natürlich), Schulranzen (stiftung-warentest-getestet) und dem Hausaufgaben-Schreibtischstuhl (orthopädisch durchdacht) kümmert die Qualität von Apps oft wenig.
Auf fast jedem Smartphone lauern sie: Die schnell downgeloadeten Apps voller Tücke – schlecht programmiert, nie genutzt, datenraubend.

Dabei finden wir uns schon reflektiert: Die Taschenlampe, die ans Adressbuch will? Geschenkt (und seit Whatsapp sowieso keinen Kalauer mehr wert – Schüler hegen ein anderes Verständnis von Datensparsamkeit als der gemeine Ü40er). Das elektronische Klassenbuch? Auf dem Handy? In der Cloud? Wir fragen unseren Datenschutzbeauftragten! Die Deutsch-Lern-Software, reduziert als Selbstlern-App? Möglich, aber selten ausgereift. Schulnahe Apps kosten oft (ist ja für die Bildung), binden die Aufmerksamkeit vorübergehend und sind ganz selten gut programmiert, stringent in der Bedienung und mit einem echten Mehrwert. Viele Lehrer würden gerne Apps empfehlen… wenn sie denn empfehlenswert wären.

Der Verdacht treibt um: Bei elektronischen Helfern ist unser Verlangen oft noch größer als der Sinn für Sinnvolles. Jeder Sparschäler, jede Luftmatraze, jeder Akkuschrauber wird vor dem Kauf von uns stärker auf Nutzen und Bedienbarkeit geprüft als eine App. Kaum ein Gerät ohne abstürzende Applikationen, ohne „Was blüht denn da“-Blumen-Analysierer in Billigkopie, die dem Biolehrer den kalten Schweiß auf die didaktisch bemühte Stirn treibt. Dabei gibt es Chancen für Umsichtige: Lesen Sie mal im Play- oder Appstore die Rezensionen und Zugriffsrechte, suchen Sie Youtube-Clips, die die ersten Schritte filmisch abbilden, und vergleichen Sie die Berichte von On- oder Offline-Testmagazinen. Und reden Sie mal mit anderen drüber – über Restaurants und gute Campingplätze, Klamotten und Musik. Tun Sie’s. Oder haben Sie dafür eine App? Ach so...

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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