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Fachkräftemangel : Die schwierige Suche nach Informatikern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bedarf an IT-Mitarbeitern steigt. Doch freie Stellen sind immer schwieriger zu besetzen. Besonders in SH.

von
erstellt am 04.Dez.2016 | 14:42 Uhr

Kiel | Das Leben wird vernetzter, der digitale Wandel verändert auch die Arbeitswelt – doch werden künftig mehr Menschen ohne Job dastehen? Nicht unbedingt: Mit den neuen Technologien steigt der Bedarf an Mitarbeitern mit IT-Kenntnissen. Doch davon gibt es noch nicht genug, freie Stellen sind immer schwieriger zu besetzen – auch für Unternehmen im Norden, so das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für deutsche Wirtschaft (IW) in Köln: In Schleswig-Holstein kommen auf 10.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte nur 51 in Berufen, für deren Ausübung in der Regel der Abschluss eines Informatikstudiums erforderlich ist. Damit liegt das nördlichste Bundesland gleichauf mit Niedersachsen – gefolgt nur von den fünf neuen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen.

Tim Schlotfeldt vom Netzwerk der digitalen Wirtschaft in Schleswig-Holstein (Diwish) kennt das Problem: „Seit einigen Jahren ist es für unsere Unternehmen sehr schwierig, in einem angemessen Zeitrahmen offene Stellen im IT-Bereich zu besetzen. Hochschulabsolventen können sich ihren Arbeitgeber ganz real aussuchen.“ Dennoch sieht er die Ergebnisse der Erhebung nicht ganz so schwarz: „Schleswig-Holstein ist eine ländlich strukturierte Region, die Bevölkerungsdichte ist nicht mit Hessen, Baden-Württemberg oder gar Nordrhein-Westfalen vergleichbar“, relativiert er. „Zudem ist unsere Wirtschaft durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt.“

Bei Dataport, dem IT-Dienstleister des Landes mit Sitz in Altenholz bei Kiel, hat man ebenfalls Erfahrungen mit dieser Problematik: „Auch bei uns sind demografischer Wandel und IT-Fachkräftemangel bemerkbar“, sagt Sprecherin Britta Heinrich. „Wir können unsere Stellen zwar prinzipiell noch sehr gut besetzen, allerdings merken auch wir, dass es für bestimmte IT- und Technik-Berufe sehr schwer ist, Arbeitnehmer zu finden. Darunter sind zum Beispiel SAP-Entwickler, aber auch Nachrichtentechniker und IT-Consultants.“

Am Standort in Altenholz sei man aber im Vergleich noch gut bedient: „In Hamburg zum Beispiel gibt es im Verhältnis viele Absolventen, aber zugleich auch viele potenzielle Arbeitgeber“, erklärt Heinrich, deren Unternehmen an sieben Standorten im Bundesgebiet niedergelassen ist. „Den Master in Informatik schließen in Rostock im Schnitt lediglich sechs bis acht Studierende ab. Es fehlt also in der Region an ITlern. Das gilt auch für Magdeburg oder Halle.“ Dort komme erschwerend hinzu, dass junge Menschen die Region verließen und dorthin gingen, wo sie ein breiteres Angebot an Arbeitsplätzen erwarteten, sagt Heinrich. Insgesamt gebe es zu wenig Menschen, die sich für IT interessierten und eine entsprechende Ausbildung oder ein Studium begännen und auch abschlössen. Interessierten macht Heinrich Mut: „Die Anforderungen können durchaus bewältigt werden.“

Während die Informatikerdichte laut der Erhebung der IW in den Großstädten im Vergleich zum Jahr 2013 um 17 und in den städtischen Kreisen um sieben Punkte ausgebaut werden konnte, kommen die ländlichen Gebiete nur auf einen Zuwachs von drei Punkten – der Rückstand der ländlichen Gebiete ist also gewachsen. Dort werde weniger ausgebildet, außerdem stehe zu selten schnelles Internet zur Verfügung, heißt es in der Studie. Tim Schlotfeldt sieht ähnliche Gründe: Man benötige einen Ausbau des Breitbandnetzes in der Fläche, „damit Unternehmensgründungen nicht daran scheitern“.

In Kiel liegt die Anzahl der angestellten IT-Akademiker bei 105 von 10.000, das ist nach Segeberg (108) der höchste Anteil in Schleswig-Holstein. Ein Grund: die Hochschule – ein Vorteil für ansässige Firmen wie Dataport, sagt Heinrich: „Studenten aus ländlichen Gegenden streben an die dortige Universität und stoßen von dort aus auf uns.“ Umso wichtiger seien nicht nur Kooperationen zwischen den Firmen und Bildungseinrichtungen. „Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wäre es, das Interesse zu steigern“, sagt Heinrich. „Das sollt bereits in den Schulen beginnen“ – mit guter technischer Ausstattung, mehr Informatik-Unterricht und dem Einsatz von Technik im Unterricht.

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