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Pinterest und Pinterest-Fail : Die Schönheit des Scheiterns

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Wer schon einmal versucht hat, eine Idee aus Pinterest nachzugestalten, wird froh sein, dass es Seiten gibt wie Pinterest-Fail. Denn die reale Welt sieht meist nicht so aus, wie auf dem bunten Bildern. Dabei ist sie mindestens genauso schön, findet Kolumnistin Mira Nagar.

von
erstellt am 04.04.2014 | 04:00 Uhr

Gut geklaut ist manchmal schöner als eine eigene verkorkste Idee. So ist das Internet immer wieder Quelle der Inspiration – ob für leckere Cupcakes, süße Deko-Ideen jenseits der Serviettentechnik oder ein originell geknipstes Familienfoto. Wer keine Lust hat, sich auf der alltäglichen Suche nach der Anleitung für einen Häkeleulenschlüsselanhänger durch die einschlägigen Blogs zu hangeln, kann sich bei der sozialen Sammelplattform Pinterest von den hübschen bunten Bildchen weiterleiten lassen. Doch gerade diese Bildchen haben es in sich. Denn sie sind schön. Zu schön.

Der gemeine Handarbeits-Trottel scheitert regelmäßig an Anleitungen. Er  – ok, in grob geschätzt 89,3 Prozent aller Fälle sie – ersetzt Zutaten in Rezepten (Muss doch auch passen, oder?). Sie vertüdelt sich mit losen Fäden (Ok, ich verschenke doch lieber einen Buchgutschein…) oder sieht nach vier Minuten mit der hochgetürmten Steckfrisur aus wie ein Wischmopp (Kann man nicht auch mit Badekappe zur Silberhochzeit?).

Zum Glück ist die Netzwelt eine Welt der Antimaterie. Bild.de wird vom Bild-Blog beäugt, es gibt ein Anti-Uni-Blog gegen das etablierte Bildungssystem – und Pinterest findet seinen Gegenpart in Pinterest-Fail.

Beispiel Baby: Ein süßes Bild vom Nachwuchs im ausgehöhlten Riesenkürbis? Bei Pinterest guckt der Wonneproppen ebenso niedlich wie wohlgenährt in die Kamera und grinst im Anne Geddes-Stil. Pinterest-Fail hat die Antwort darauf: Wütend heult ein Baby im Herbstgemüse. Beispiel Backen (dabei geht offensichtlich besonders viel schief): Pinterest zeigt einen optimal gebräunten Pfannkuchen mit Hasengesicht aus Erdbeeren und Marshmallows und Ohren aus Melonenschnitzen. Ein Fall für die Horrorshow ist hingegen der Versuch, der bei Pinterest-Fail gezeigt wird. Aus dem verkrumpelten, leicht angebrannten Pfannkuchen stiert ein Zombie-Hase mit Bananen-Blaubeeraugen. Und – Beispiel Style – der pfiffig marmorierte Nagellack sieht, einmal mit der Realität konfrontiert, aus, als hätte der Maskenbildner das Vorher-Foto für ein Nagelpilz-Heilmittel gestalten sollen.

Normalerweise würde man am liebsten reagieren, wie Jürgen Klopp nach einer BVB-Niederlage. Doch das Hochladen auf der Missgeschicksseite hat offenbar eine heilsame, sitzkreisartige Wirkung auf die Betroffenen. Statt sich zu ärgern, tauschen die Nutzer der Plattform ironische Kommentare über ihre Missgeschicke aus, versuchen sogar, sich mit ihren Erzeugnissen zu untertrumpfen. Zuweilen sind die Fotos sehenswerter als die Originale - die ungeschönte Wahrheit ist eben schöner als man denkt. Gut so, denn besser als verkorkst geklaut ist immer noch: Herzerfrischend drüber gelacht.

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