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Voss’ Netzwelt : Die Sache mit der Rhetorik im Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich sind sie eine gute Sache, doch Kommentarfunktionen im Internet erfordern strenge Regeln, meint unser Kolumnist Steffen Voß.

„Das Mitmach-Netz“ – so hat man vor ein paar Jahren das „Web 2.0“ genannt. Wer unter einer Webseite kein Kommentarfeld anbot, hatte „das Internet nicht verstanden“. Das Internet hätte ein wunderschöner Ort für Debatte unter Bürgerinnen und Bürgern werden können. Ich hatte damals diese Hoffnung. Die Piratenpartei ist unter anderem auf Basis dieser Annahme gegründet worden. Wir Internetbegeisterte wollten die politischen Diskussionen aus dem Hinterzimmer auf die Startseiten holen und sie so für alle zugänglich machen.

Doch dann kamen mehr und mehr dieser Menschen in unser Internet und fanden heraus, was man mit diesen Kommentarfeldern auch noch anfangen kann. Und zugegeben: Man hätte es ahnen können. Godwins Gesetz ist von 1990: „Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.“ Und meine ersten flammenden Streits („Flame Wars“) fanden Anfang der 1990er in Newsgroups statt. Da war das WWW noch ein merkwürdig bunter Teil des Internet, den man nur über spezielle Netzanbieter bekam.

Schon außerhalb des Internet sind viele Menschen keine guten Rhetoriker. Da wird platt und kenntnisarm argumentiert und am Thema vorbei geredet. Und wenn es gar nicht mehr weitergeht, dann wird man eben laut. Aber das ist auch okay. Das bedeutet nicht, dass jemand keine Ahnung hat oder keine Meinung haben sollte. Selbst bei denen, die es eigentlich können sollten – bei unseren Spitzenpolitikern – hilft eine strikte Sitzungsleitung und eine strenge Moderatorin, wenn ansonsten alle durcheinander reden würden.

Ich glaube, hier liegt auch die Chance für das Mitmachen-Netz der Zukunft: Wer Kommentare anbietet muss sich um eine Moderation kümmern und die Diskussionen organisieren und sonst einfach keine Kommentarfunktion anbieten. Und wer dann immer noch einfach irgendetwas Böses loswerden will, kann den Link bei Facebook teilen und dort seine Freundeskreis damit behelligen.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 05:30 Uhr

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